Ich sitze hier in meinem Atelier und starre auf diese halbfertige Leinwand. Eigentlich sollte es ein Porträt werden, aber irgendwie hat es sich in etwas völlig Abstraktes verwandelt. Jetzt frage ich mich, ob ich es einfach so lassen soll, wie es ist – mit all seinen „Unfällen“ und Spuren des Prozesses. Es fühlt sich irgendwie ehrlicher an, aber ich bin unsicher, ob das nur eine Ausrede ist, weil ich nicht weiß, wie ich es zu Ende führen soll.
Ich sehe das Bild und spüre wie die Spuren des Prozesses atmen. Dieses Porträt hat eine ehrliche Staubschicht von Entscheidungen und dennoch wirkt es lebendig statt fertig. Vielleicht ist gerade das Uneindeutige der Grund, warum es dich anzieht.
Aus analytischer Sicht bleiben die Ränder vage und die Farbbewegungen erzählen eine Logik jenseits einer fertigen Figur. Das Abstrakte gehört dazu und trotzdem fragt sich wer bestimmt was fertig bedeutet. Bleibt das Abstrakte hier vielleicht als offener Faden bestehen?
Vielleicht interpretiert dein Blick das Bild gar falsch und nennt es Porträt obwohl es eher eine Landkarte deiner Zweifel ist. Wenn du so etwas anstrebst wie eine klare Identität verhandelst du mit einem falschen Ziel. Ist der Trick vielleicht gar nicht das Endbild sondern der Gedanke daran?
Du sprichst von Ehrlichkeit und du denkst dass das Unfertige das einzig Wahre ist. Vielleicht sitzt du eher vor einer Angst vor Abschluss als vor einer künstlerischen Wahrheit. Wer sagt denn dass Fehler immer zu Kunst führen müssen oder dass man am Ende zufrieden sein muss?
Vielleicht gibt es hier eine Prozessmetapher statt eine fertige Identität. Das Bild wird zur Karte des Verweilens und nicht zum Zielbild. Was wäre wenn du das Bild als Karte des Verweilens siehst statt als Fertigprodukt?
Vielleicht brauchst du kein fertiges Porträt sondern eine Haltung zum Prozess. Es bleibt offen ob du weiter malst oder ihn ruhen lässt und genau das könnte die Stärke sein.