Ich überlege schon länger, ob ich meinen alten, sehr aktiven Account in einem anderen Forum einfach löschen soll. Einerseits habe ich dort über Jahre viel von mir preisgegeben, andererseits fühlt es sich nicht mehr richtig an, dass diese alten Diskussionen und persönlichen Geschichten einfach so im Netz stehen. Ich frage mich, ob das ein radikaler Schritt wäre, oder ob andere das auch so kennen.
Das klingt nach einer echten Zwickmühle und nach der Frage was Gewicht hat Privatsphäre oder Erinnerungen. Eine Löschung des Accounts könnte gute Grenzen setzen und dein Gefühl von Kontrolle zurückgeben, trotzdem tauchen dann Fragen auf was aus den Jahren bleibt und was verloren geht.
Eine analytische Sicht könnte so aussehen dass Identität im Netz stapelweise Spuren hinterlässt und Löschung eine Art Reset verspricht doch oft Spuren bleiben. Vielleicht hilft eine Zwischenlösung wie Archivierung oder das Anpassen der Sichtbarkeit statt einer vollständigen Löschung. Der Begriff Löschung kann eine heftige Bedeutung bekommen die nicht immer passt.
Warum sofort alles wegwerfen statt neu zu ordnen ist eine fragwürdige Verallgemeinerung? Aus deiner Sicht dürfte es reichen alte Bezugnahmen zu entwerten oder Grenzen zu setzen statt den ganzen Account zu löschen.
Vielleicht geht es hier weniger um den spektakulären Akt der Löschung als um Selbstbestimmung. Stell dir vor du kuratierst deine Geschichte im Netz statt sie unkommentiert stehen zu lassen, du bestimmst was bleibt wem zugänglich ist und wie du dich zeigst. Der neue Rahmen könnte heißen dass Privatsphäre eine laufende Entscheidung ist statt eine einmalige Tat.