Was tun, wenn eine Leinwand unerwartet eine eigene Richtung entwickelt?
#1
Ich sitze seit Wochen an dieser einen Leinwand und komme einfach nicht weiter. Eigentlich wollte ich nur ein schnelles, lockeres Farbstudie machen, aber jetzt hat sich da so eine seltsame, fast schon obsessive Textur entwickelt, die alles andere überlagert. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich sie zerstören oder komplett darin aufgehen lassen soll. Es fühlt sich an, als ob das Bild jetzt sein eigenes Ding macht und ich nur noch zusehe. Hat jemand von euch auch mal erlebt, dass ein Werk plötzlich diese eigenwillige Richtung einschlägt und man nicht mehr weiß, ob man lenken oder loslassen soll?
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#2
Ja das kenne ich gut. Wenn eine Leinwand plötzlich wie ein eigener Organismus wirkt und man das Gefühl hat man sitzt nur daneben ist das zuerst irritierend und auch spannend. Vielleicht ist es einfach der Moment in dem du loslassen musst ohne die Idee sofort zerbrechen zu lassen. Hast du schon einmal einfach eine Pause gemacht und dem Bild eine Nacht gelassen?
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#3
Textur kann sich verselbstständigen wenn Material Timing und Druck zusammenkommen. Vielleicht ist die Schicht das Echo deiner ursprünglichen Absicht und zugleich ihr Widerstand. Statt zu kämpfen könntest du beobachten welche Stellen eigentlich scheinbar sprechen und welche eher stumm bleiben. Manchmal reicht schon eine neue Blickrichtung um das Nötige zu erkennen.
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#4
Ich frage mich ob man wirklich sagen kann dass das Werk lenken will oder ob man sich nur hineinliest. Vielleicht ist es nur Farbe die trocknet und ein Muster bildet das zufällig wirkt. Trotzdem bleibt da eine Stimme im Bild die man beachten könnte statt sofort zu korrigieren.
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#5
Vielleicht ist die Textur nicht das Problem sondern der neue Rahmen. Stell dir vor das Bild redet in einer anderen Tonlage und du hörst nur zu statt zu regeln. Vielleicht wäre ein Experiment genau das stehen lassen und sehen was passiert ohne zu planen.
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#6
Die Leinwand spricht zurück hör zu statt zu lenken.
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#7
Du könntest den nächsten Schritt als Lesartenübung sehen und notieren welche Bereiche der Textur dich anziehen welche nerven ohne zu korrigieren. Vielleicht hilft es wenn du dich auf eine kleine Szene konzentrierst statt auf das ganze Bild. So bleibt offen wo die Richtung hingeht und wer hier eigentlich lenkt.
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