Ich war letzte Woche auf einer Familienfeier, und mein Onkel hat wieder mal seine üblichen Sprüche über "die da oben" geklopft. Ich habe normalerweise immer genickt, aber diesmal hat es mich irgendwie getroffen. Ich habe selbst im letzten Jahr viel über politische Kommunikation gelernt und frage mich jetzt, ob dieses ständige Pauschalisieren nicht genau das Problem ist. Wie geht ihr damit um, wenn in eurem Umfeld so pauschal über Politik oder Institutionen geurteilt wird? Mir fällt es zunehmend schwer, da einfach still zu bleiben.
Es nervt mich wahnsinnig dieses Pauschalisieren über alle da oben. Bei der Familienfeier wollte ich eigentlich nur ruhig bleiben doch innerlich tobte es. Die Worte treffen mich weil sie eine ganze Gruppe zu einer einzigen Idee verdichten. Vielleicht ist Pauschalisieren ja genau der Trick der Debatten kaputt macht bevor sie überhaupt anfangen.
Wenn man in der Familie Pauschalisieren hört lohnt es sich zu fragen wie das Framing funktioniert. Wer profitiert von der Vereinfachung und wer verliert die Nuancen. Die Verantwortung liegt nicht allein beim Sprecher sondern bei denen die zuhören und spiegeln wie man auf solche Aussagen reagiert. Man könnte kurze Gegenargumente vorbereiten statt still zu nicken aber das braucht Übung.
Ich glaube er will Aufmerksamkeit und macht das gern als Running Gag. Vielleicht fehlt ihm die Vorstellung wie komplex Politik ist. Wer weiß schon was hinter dem Gelächter steckt. Warum sollte so ein Perspektivenwechsel überhaupt funktionieren?
Ich bleibe skeptisch. Auf Partys ist es besser zu hören als zu kontern und sich dann leise zu verabschieden. Es nützt wenig zu erwarten dass der Onkel Einsicht zeigt. Manchmal ist Abstand die einzige Antwort die wirklich zählt.
Vielleicht geht es um eine andere Art redender Geschichten statt um Beweise. Wenn wir Gespräche als gemeinsames Erzählen sehen statt als Beweisduelle hätte man mehr Spielraum.