Ich sitze hier und denke über eine Situation von letzter Woche nach. Ich habe im Supermarkt gesehen, wie jemand etwas gestohlen hat, etwas Kleines, Essen wahrscheinlich. Ich habe nichts gesagt, aber seitdem frage ich mich, ob das richtig war. Einerseits ist Diebstahl falsch, andererseits weiß ich nichts über die Not dieser Person. Wo zieht man die Grenze zwischen Mitgefühl und dem Festhalten an Prinzipien? Mich beschäftigt, ob mein Schweigen eine Art stillschweigende Billigung war.
Es geht mir nah. Diebstahl ist sicher falsch, aber ich kenne die Gründe nicht und frage mich ob mein Schweigen automatisch bedeutet dass ich zustimme.
Vielleicht liegt der Knackpunkt darin wie stark man die Not des anderen kennen muss bevor man handelt. Wie willst du die Grenze ziehen wenn du die Not hinter der Tat nicht kennst?
Man könnte sagen dass Prinzipien eine Landkarte sind aber die Straßenlage verändert sich in jedem Moment. Bleibst du bei dem Prinzip oder findest du einen Weg der mit der Realität besser kooperiert?
Vielleicht geht es nicht darum zu entscheiden wer recht hat sondern darum wer wir sind wenn niemand hinschaut und ob das uns wirklich gehört.
Manchmal frage ich mich ob der Gedanke Mitgefühl nur eine Tarnung ist um Druck abzuschalten oder ob man wirklich handeln müsste auch ohne klare Beweise.
Vielleicht ist Schweigen einfach nur Unsicherheit und kein klarer Plan.