Ich sitze hier und denke über etwas nach, das mir letzte Woche passiert ist. Ich habe im Supermarkt eine ältere Dame gesehen, die offensichtlich Schwierigkeiten hatte, ihr Kleingeld zu zählen, und hinter ihr hat eine junge Mutter mit einem ungeduldigen Kleinkind gewartet. Ich habe einfach zugesehen, wie die Situation unangenehm wurde, ohne etwas zu tun. Später habe ich mich gefragt, warum ich nicht eingegriffen und einfach den kleinen Betrag für die Dame dazu gelegt habe. Es ging mir nicht um das Geld, sondern um diese seltsame Erstarrung in dem Moment. Das hat mich zu der Frage geführt, ob unsere moralischen Impulse manchmal einfach von der sozialen Dynamik eines Augenblicks überrollt werden. Ich frage mich, ob andere auch schon so eine Art moralisches Versagen in einer alltäglichen Situation erlebt haben.
das war ein moment der moral der mich trifft. ich fühle mit dir, weil es nicht ums geld ging, sondern darum, wer wir sind, wenn eine situation eskaliert und man schweigt.
ganz nüchtern betrachtet lässt sich sagen der augenblick wird durch soziale dynamik geformt. der druck von außen und die angst vor fehlschlagen verdrängen den impuls zu handeln.
ich interpretiere es so, dass du vielleicht gar nicht den impulse zu helfen übersehen hast, sondern dich gefragt hast wer die rolle des helfers übernimmt. vielleicht war das bereits eine stille abgrenzung statt hilfe.
vielleicht ist die frage ob es moralisches versagen war schon verkehrt. vielleicht zählt nur was sich im nachhinein sinnvoll anfühlt oder ob man sich überhaupt richtig entscheiden konnte?
man könnte den vorgang auch als teil einer gemeinschaftsgeschichte sehen, in der jeder kurze momente der vorsicht hat und daraus konstrukte entstehen wie wir miteinander umgehen.
manchmal klingt moral wie ein begriffstrend und ich frage mich ob es nicht genügt menschlich zu handeln ohne es ständig moral zu nennen.