Ich stehe gerade wirklich vor einer seltsamen Situation in meiner Fotografie. Seit ein paar Monaten fotografiere ich fast nur noch in Schwarz-Weiß, weil ich finde, dass es die Stimmung meiner Stadtbilder so viel besser einfängt. Jetzt habe ich aber einen Auftrag für eine Familienfeier bekommen, der natürlich in Farbe erwartet wird. Als ich gestern die ersten Farbfotos sichtete, kamen sie mir plötzlich alle so grell und unecht vor, fast schon aufdringlich. Ich frage mich, ob ich mich zu sehr in diesen Look verbohrt habe und ob das meine Wahrnehmung für andere Stile kaputt macht.
Das trifft mich ehrlich gesagt, weil ich selbst ähnliche Phasen kenne. Du hast der Stadt in Schwarz Weiß eine eigene innere Stimme gegeben, und jetzt wirkt Farbe plötzlich laut. Vielleicht ist es nur Gewöhnungssache und kein endgültiger Bruch.
Eine nüchterne Analyse zeigt dass Farbe mehr Information ins Bild bringt und falscher Weißabgleich oder zu starke Sättigung macht es grell statt echte Stimmung festzuhalten. Dein Blick hat sich auf Mono eingestellt, daher wirkt der Farbausdruck ungewohnt. In der Fotografie geht es oft um Kontext statt um Technik allein.
Vielleicht nimmst du die Aufgabe falsch wahr. Farbfotos müssen nicht knallig sein, man kann auch mit zurückgenommenen Tönen arbeiten und so Nähe statt Aufdringlichkeit erzeugen.
Ich glaube nicht dass Farbe per se besser oder schlechter ist. Manchmal liegt das Problem eher an Lichtführung oder dem Display. Vielleicht sitzt die Irritation eher in der Erwartung als im Bild selbst.
Statt zu entscheiden ob Farbfotografie gut ist, könntest du es als neues Spiel sehen. Farbe wird zum Kompass für Details im Hintergrund oder in der Kleidung, ohne die Seele des Moments zu übertönen.
Was wenn du die Farbfassung als eigenständigen Stil erkennst statt als Abweichung von der Schwarz Weiß Praxis?