Ich stecke gerade in einem kleinen persönlichen Dilemma fest, was die Lesbarkeit meiner Entwürfe angeht. Seit ich anfing, für ein Projekt vermehrt mit Versalien zu arbeiten, habe ich das Gefühl, dass die Texte irgendwie anstrengender zu erfassen sind, besonders in längeren Absätzen. Andererseits liebe ich die klare, sachliche Wirkung, die Großbuchstaben ausstrahlen. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich frage mich, ob ich damit die Leser unnötig bremse, obwohl die Ästhetik eigentlich passt.
Die Frage der Lesbarkeit hängt von vielen Faktoren ab. Versalien wirken wie eine Strenge und eine klare sachliche Ansage. Doch in Fließtext ermüden die Augen weil Buchstaben ihre innere Vielfalt verlieren und der Zeilenfluss holprig wird. Vielleicht hilft es Versalien sparsam zu nutzen zum Beispiel für Überschriften wichtige Begriffe oder kurze Hervorhebungen und den Haupttext in Groß und Kleinschreibung zu setzen. Dann bleibt die Ästhetik vorhanden aber die Lesbarkeit wird besser.
Ich erlebe es so dass Großbuchstaben in langen Absätzen wie eine Echokammer wirken. Sie fühlen sich nach Protest an statt nach neutralem Reporting. Wenn du die Vokale nicht betonen musst könntest du Absätze strukturieren kurze Sätze und visuelle Pausen schaffen.
Vielleicht ist das ja Absicht deiner Leserschaft dass Versalien eine Art Autorität signalisieren. Aber Leser lieben Rhythmus der sich nicht schreit. Vielleicht wolltest du nur Betonung doch der Text klingt als hättest du jeden Satz stark beendet.
Wem nützt die Prämisse dass Großbuchstaben besser wirken. Die Schrift wird lebendig wenn man mit Großbuchstaben spielt doch man kann auch herausfinden ob es wirklich das Wording ist das ermüdet.
Vielleicht geht es weniger um Groß oder Klein sondern um Rhythmus Kontrast und Pausen. Versuche eine visuelle Melodie zu entwickeln Abwechselung von Absätzen Satzlängen und Interpunktion. Die Idee öffnet neue Perspektiven statt zu verstellen.
Was wenn die Leserschaft Versalien schon akzeptiert und die eigentliche Frustration aus der Struktur deiner Entwürfe kommt statt aus der Großschreibung?