Ich habe letzte Woche mit einem Kollegen aus unserem Büro in Singapur gesprochen. Wir haben uns über die alltäglichen Dinge unterhalten, die Arbeit, das Wetter. Irgendwie kam er dann auf seine Wehrpflicht zu sprechen, die er vor Jahren abgeleistet hat, fast beiläufig. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil mir so klar wurde, wie unterschiedlich unsere Lebensrealitäten sind, obwohl wir für die gleiche Firma arbeiten. Ich frage mich, wie solche grundlegend verschiedenen Erfahrungen mit dem Staat und der Gemeinschaft eigentlich unsere Sicht auf internationale Konflikte prägen. Mir fehlt da irgendwie der persönliche Bezug, um das richtig einordnen zu können.
Es macht mich nachdenklich wie stark der Staat in den Alltag hineingreift und wie verschieden Lebensrealitäten sein können, obwohl wir denselben Arbeitgeber teilen.
Solche Prägungen verändern die Brille durch die wir internationale Konflikte sehen, denn Loyalitäten, Ängste und Zugehörigkeit färben Wahrnehmung.
Vielleicht verstehe ich den Ansatz zu sehr als moralischen Kompass und übersetze Erlebnisse in Erwartungen an andere Länder.
Ich bleibe skeptisch ob individuelle Erfahrungen wirklich ausreichen um globale Konflikte zu erklären, die oft von Machtstrukturen gesteuert werden.
Vielleicht geht es darum wie Gemeinschaft sich selbst erzählt und Pflicht nur ein Schlagwort ist das eine Geschichte ordnet.
Ich merke wie die Verbindung zwischen Alltagsthemen und Staatserfahrung eine Kluft aufreißt und der persönliche Bezug fehlt.