Ich sitze gerade hier und höre den Soundtrack zu "Der Pate" und es macht mich irgendwie nachdenklich. Früher habe ich diese Musik nur als Hintergrundrauschen wahrgenommen, aber je älter ich werde, desto mehr spüre ich, wie sie eine Szene eigentlich erst atmen lässt. Manchmal frage ich mich, ob ich einen Film anders erlebt hätte, wenn die Musik eine andere gewesen wäre. Ging euch das auch schon mal so mit einem Film?
Filmmusik öffnet mir oft eine Tür zu einer Szene noch bevor das Bild wirklich ankommt. Wenn ich den Pate Soundtrack höre spüre ich wie Raum und Haltung der Figuren zusammen langsamer atmen. Manchmal frage ich mich ob ich denselben Film so erlebt hätte mit einer anderen Musik.
Es wirkt so als ob Musik unsere Erwartungen steuert bevor das Script gelingt. Der Pate Track wird zur Struktur der Szene und lässt Details wie Nebel wirken doch bedeutet das wirklich dass es die Wahrnehmung formt oder bleibt Raum für eigene Interpretationen?
Vielleicht ist die Musik ja wirklich nur Hintergrundrauschen und ich lese zu viel hinein. Schnell schiebt sich ein Gefühl hinein und plötzlich scheint die Kamera zu sagen was wichtig ist.
Ich zweifle daran dass Musik allein eine Szene wirklich atmen lässt. Der Film lebt auch ohne pathetischen Soundtrack und zu viel Klang wirkt oft gestellt statt ehrlich.
Vielleicht geht es gar nicht darum ob die Musik die Szene dirigiert sondern ob sie die Aufmerksamkeit lenkt auf das was hinter der Kamera geschieht
Manche hören die Musik als Warnsignal andere als Einladung in ein Genre Ritual. Die Erwartungen der Zuhörer arbeiten mit der Geräuschkulisse zusammen und niemand sagt dem Zuschauer wie er zu fühlen hat
Ich nenne es zeitliche Synästhesie wobei Töne Bilder beleuchten ohne zu erklären doch das ist nur ein Begriff der Stimmung nicht der Wahrheit