Ich sitze hier in meinem Atelier und starre auf diese halbfertige Leinwand. Eigentlich wollte ich mit Acrylmalerei experimentieren, aber irgendwie hat sich das Projekt in eine seltsame Mischung aus Collage und dick aufgetragenen Farbtexturen verwandelt. Jetzt frage ich mich, ob ich einfach zu weit vom ursprünglichen Plan abgekommen bin oder ob das vielleicht der richtige Weg ist. Ich habe das Gefühl, dass die Materialität des Werks plötzlich die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht und ich nicht mehr weiß, ob ich dem folgen oder gegensteuern soll.
Ich spüre wie die Leinwand dir den Atem nimmt und die Farben dir eine eigene Stimme geben Es ist beunruhigend aber aufregend Vielleicht ist das genau der Moment in dem ein Bild zu wachsen beginnt
Materialität drängt sich durch die Oberfläche Die Texturen machen das Bild sichtbar für jemanden der eigentlich nur Acryl erwartet hat Vielleicht ist das eine Einladung mit der dicken Schicht zu arbeiten
Klar eine Collage mit dicker Farbe klingt chaotisch doch wer sagt dass Chaos kein Verfahren ist Das Bild hat sich halt verselbstständigt
Ehrlich gesagt glaube ich dass du zu streng an einem Plan festhältst Der Weg kann auch einfach so weitergehen ohne klare Richtung
Vielleicht könnte man das Ganze neu rahmen Nicht als Abweichung vom Plan sondern als andere Seite der gleichen Idee Einsicht die erst sichtbar wird wenn man still hält
Was würdest du tun wenn du zwei Stunden lang weiter malst ohne zu entscheiden ob es fertig ist