Ich sitze gerade an meinem ersten großen Review-Artikel und frage mich, wie andere mit dem Druck umgehen, wirklich alles relevante Material erfasst zu haben. Bei meiner letzten Literaturrecherche hatte ich das Gefühl, einen wichtigen Zweig komplett übersehen zu haben, was mich jetzt bei jedem neuen Absatz zögern lässt. Es fühlt sich an, als würde ich ständig gegen eine unsichtbare Wand laufen, weil ich Angst habe, dass meine Synthese der Literatur lückenhaft ist.
Es klingt wirklich belastend dein Gefühl, dass du gegen eine unsichtbare Wand läufst. Vielleicht hilft dir heute schon, dass du anerkennst wie viel du schon gelesen hast und dass die Sorge um Vollständigkeit normal ist. In der Literatur geht es selten darum jede Quelle perfekt zu erfassen sondern eine stimmige Synthese zu bauen, die neue Verbindungen sichtbar macht.
Wenn ich an eine starke Literaturarbeit denke frage ich mich wie man Prioritäten setzt und welche Ausschlusskriterien sinnvoll sind. In der Literatur selbst wird oft davon gesprochen wie man Abdeckung bewertet statt nur zu registrieren. Statt nach dem perfekten Überblick zu suchen könnte eine iterative Überprüfung hilfreich sein. Jede neue Fundstelle wird in einen laufenden Korpus aufgenommen und ringförmig erweitert, so dass Lücken sich sichtbar machen statt uns zu bestrafen.
Vielleicht ist die Vorstellung von Vollständigkeit in der Literatur eine Illusion. Wenn man dauerhaft alles erfassen will ist man schon beim ersten Absatz verloren weil sich die Forschung ja ständig weiterentwickelt. Vielleicht geht es eher darum zu zeigen wie das eigene Sichtfeld funktioniert als alles zu verknappen. Was heißt Vollständigkeit in der Praxis wirklich?
Du hast von einem wichtigen Zweig gesprochen aber ich dachte kurz oh vielleicht meintest du Instrumente damit nicht Forschungsteile sondern eine neue Schreibtechnik. In der Literatur sieht man oft dass Lücken irgendwann zu einer neuen Perspektive führen. Im Ernst die Angst vor Lücken ist gewöhnlich doch manchmal führt gerade ein fehl am Platz gefundener Punkt zu einer überraschenden Verbindung.
Vielleicht lohnt es sich das Thema neu zu rahmen und statt der Frage nach Vollständigkeit die Fragestellung zu beobachten wie der Text mit dem Material umgeht. In der Literatur wird oft diskutiert wer entscheidet was vom Leser als relevant empfunden wird und wie viel Moderation braucht eine Synthese um lesbar zu bleiben.
Ich fühle das auch manchmal und denke dann einfach weiter zu schauen statt zu stoppen und in der Literatur weiter zu suchen.