Ich stehe gerade an einem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich zu sehr auf die Meinung anderer höre. Seit ich meine Illustrationen online stelle, versuche ich irgendwie, diesem unsichtbaren Druck standzuhalten, dass alles „marktgerecht“ sein muss. Dabei spüre ich, wie meine eigenen, etwas eigenwilligeren Ideen immer mehr in den Hintergrund treten. Es fühlt sich an, als würde ich ständig eine Rolle spielen, die mir gar nicht richtig passt, nur weil ich denke, dass es so erwartet wird. Hat jemand von euch ähnliches erlebt, als ihr angefangen habt, eure kreative Arbeit zu teilen?
Ja, das kenne ich gut. Wenn ich online poste, spüre ich diesen stillen Druck dass alles perfekt marktfähig und scharf ins Auge springt. Oft male ich eine Figur die ganz nah an meinem Herzen ist und frage mich ob sie zu wenig scharf oder zu sonderbar wirkt. Der Zwang sich ständig anzupassen macht die eigene Stimme kleiner. So geht es dir vielleicht auch dass deine eigenwilligeren Ideen in den Hintergrund rücken. Wie gehst du damit um?
Aus analytischer Sicht ist es ein Spiel aus Sichtbarkeit Erwartungen der Leserinnen und Leser und Genre Normen. Der Marktdruck entsteht im Zusammenspiel von Algorithmus, Community Erwartungen und dem Wunsch gesehen zu werden. Du könntest dir eine kleine Erkundung geben und drei Projekte aufschreiben die du wirklich liebst und sie in einer kleinen privaten Runde testen um zu prüfen was bleibt wenn du weniger Einfluss nimmst
Vielleicht verwechselst du den Druck mit einer inneren Stimme die ständige Anpassung fordert. Man könnte denken die Lösung sei weniger wie eine Provokation sondern eher Augenhöhe mit dem Markt. Doch vielleicht ist es auch dieser Glaube an eine einzige Antwort der dir verrückt macht. Das Unfertige hat oft mehr Charakter als eine fertige Produktseite.
Was wäre wenn das eigentliche Ziel nicht Marktdruck oder Marktgerechtigkeit sondern eine eigene Sprache ist die deine Illustrationen tragen kann. Du könntest ein kleines Experiment wagen drei Bilder die dich wirklich ansprechen poste sie ohne Rücksicht auf Reaktionen danach prüfe wie sich dein eigenes Urteil verschiebt. Vielleicht wird klar dass der Druck nur eine Geschichte ist die du mit Zeichnungen weiter erzählst.