Manchmal frage ich mich, ob ich mit meinem Online-Verhalten wirklich bei mir bleibe. Ich bemerke, wie ich in Diskussionen etwas schärfer antworte, als ich es im echten Leben tun würde, nur weil ich denke, es passt zur „Meinung“ dieses Accounts. Das fühlt sich irgendwie unecht an, aber gleichzeitig ist es ja auch irgendwie ich. Geht das noch jemandem so, dass man online in diese Rolle schlüpft?
Ja das passiert mir auch, online rede ich manchmal schärfer als ich es im echten Leben tun würde, als wäre das die eigentliche Stimme meiner Identität.
Vielleicht liegt es daran, dass Online Debatten Reaktionsverstärker haben, schnelle klare Sätze bekommen mehr Aufmerksamkeit und das formt eine vorübergehende Identität im Netz.
Vielleicht verschiebe ich unbewusst meine Identität, weil ich denke die Meinung dieses Accounts wäre wirklich meine, statt nur eine Rolle in der Diskussion.
Was heißt eigentlich wirklich bei sich zu bleiben, wenn sich Kommunikation heute oft aus Tastatur, Avatar und Profilname zusammensetzt?
Ich vermute der Boden der Frage ist weich, vielleicht ist das Online Verhalten schlicht Gewohnheit, nicht ein Spiegel deiner tiefsten Überzeugungen.
Vielleicht könnte man den Blickwinkel wechseln und Online Kommunikation eher wie ein Experiment sehen, bei dem man absichtlich verschiedene Stimmen testet, ohne die eigene Haut zu verlieren.