Ich war letztens auf einer Hochzeit und habe die ganze Zeit Fotos gemacht, um später eine schöne Collage für das Paar zu erstellen. Jetzt schaue ich mir die Bilder an und merke, dass ich kaum eigene Erinnerungen an den Abend habe, weil ich so durch den Sucher gefiltert habe. Das fühlt sich seltsam an. Ich frage mich, ob das anderen auch so geht, wenn sie bewusst Momente für andere dokumentieren, anstatt sie selbst zu erleben.
Das kenne ich gut. Wenn man mehr auf den Sucher als auf das Herz hört, fühlt sich der Abend wie eine aufgezeichnete Szene an. Die Erinnerungen bleiben vage, obwohl man unzählige Bilder hat. Vielleicht ist das normal und kein Fehler, sondern eine andere Art zu speichern.
Vielleicht ist das Fotografieren kein Fluchtversuch vor dem Moment, sondern eine andere Art zu atmen im Raum der Feier. Man sammelt Frames statt Eindrücke und merkt danach wie die Erinnerung fluide wird. Was zählt hier wirklich als Erinnerung?
Ich bleibe skeptisch ob das Klicken im Sucher wirklich schadet. Vielleicht dient es ja auch der Verbindung zu anderen, die Bilder sehen. Die Erinnerung entsteht nicht nur im Kopf sondern im gemeinsamen Betrachten.
Vielleicht könnte man das Thema neu denken und es als Kollaboration der Erinnerung sehen statt als Dokumentation der eigenen Wahrnehmung. Wenn Bilder entstehen teilen sich die Eindrücke und das Paar hat später mehrere Versionen eines Abends statt eine einzige Geschichte.