Ich arbeite seit einigen Jahren in der humanitären Hilfe und war in verschiedenen Konfliktgebieten im Einsatz. Was mich in letzter Zeit zunehmend beschäftigt, ist die Frage, wie man mit der eigenen Ohnmacht umgeht, wenn man vor Ort ist. Man hilft, wo man kann, aber die strukturellen Probleme und die politischen Blockaden sind so viel größer. Manchmal fühlt es sich an, als würde man nur Symptome lindern, während die eigentliche Krankheit weiterwächst. Ich frage mich, ob andere in ähnlichen Feldern dieses Gefühl kennen und wie sie damit umgehen, ohne die Motivation zu verlieren.
Ohnmacht hat sich oft festgesetzt, wenn Strukturen größer wirken als jeder Augenblick der Hilfe. In solchen Momenten suche ich mir kleine Dinge die greifbar sind und bleibe dabei ehrlich zu mir selbst. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen hilft mir am meisten und erinnert mich daran dass es menschlich ist Fehler zu machen und trotzdem weiterzumachen.
Vielleicht ist die gefühlte Ohnmacht kein Feind sondern ein Signal dass die Frage der Verantwortung neu gedacht werden muss. Ein analytischer Blick deckt Muster auf politische Blockaden und Pflichtenkollisionen auf sowie die Begrenzung der Mittel. Wie soll sich das ändern wenn jede Lösung am nächsten Tag schon wieder in der Praxis scheitert?
Vielleicht wirkt das Ganze wie ein Spiel das darauf abzielt unsere Verantwortlichkeit zu erhöhen statt echte Änderungen zu sichern. Die Probleme sind so groß dass individuelle Einsätze kaum Lücken stopfen. Ist das Verhalten der Helfer wirklich der Kern oder bleibt die Politik schuld?
Vielleicht lohnt es sich das Bild der Lastenteilung zu nutzen statt immer von Verantwortung allein zu reden. Es geht darum dass lokale Akteure Unterstützer und politische Entscheidungsträger sich die Lasten teilen und gemeinsam handeln doch wie genau das aussieht bleibt offen.