Ich habe letzte Woche in einem Seminar gesessen, wo wir über die Rolle von sozialen Normen in Krisenzeiten gesprochen haben. Der Dozent erwähnte beiläufig, dass in solchen Phasen oft eine Art informeller Verhaltenskodex entsteht, der viel stärker wirkt als formale Regeln. Das hat mich an etwas erinnert, was in meiner eigenen Nachbarschaft passiert ist. Als vor ein paar Jahren das Hochwasser war, haben sich plötzlich ganz eigene, ungeschriebene Regeln entwickelt, wer wem hilft und wie Ressourcen geteilt werden. Ich frage mich, ob das schon jemand von euch in ähnlicher Form erlebt oder sogar in Studien dazu gelesen hat. Mich beschäftigt, woher diese plötzliche kollektive Übereinkunft eigentlich kommt und warum sie manchmal so schnell wieder verschwindet, wenn die Krise vorbei ist.
Ja das kenne ich aus eigener Erfahrung Krisen schaffen eine stille Ordnung und da entsteht oft ein informeller Verhaltenskodex der stärker wirkt als Regeln die jemand geschrieben hat
Aus soziologischer Sicht entstehen soziale Normen in Krisen wenn sichtbare Hilfsaktionen sofort belohnt werden und sich schnell nachahmen lassen und da wird Ressourcen teilen zur einfachen Praxis
Vielleicht wächst so eine kollektive Vereinbarung durch Beobachtung und Nachahmung erst in kleinen Gruppen und breitet sich dann aus
Ich bleibe skeptisch ob solche Muster wirklich dauerhaft bleiben oder nur solange der Druck anhält
Eine andere Perspektive könnte sein dass Krisen uns an eine gemeinsame Identität erinnern und deshalb die Erwartungen aneinander sich ändern
Es könnte helfen den Begriff emergente Normen zu nennen und zu fragen wie man diese Sprache in Studien besser abbildet