Ich stehe seit Wochen vor einem kleinen Rätsel in meiner Nachbarschaft. Jeden Dienstagabend, kurz nach acht, höre ich von der Straße hinter unserem Haus eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam singt. Es klingt nicht wie geprobter Chor, sondern eher spontan und fröhlich. Gestern bin ich aus Neugier ein Stück um die Ecke gegangen und habe eine offene Garage voller Leute gesehen, die einfach zusammen Lieder anstimmen. Diese wöchentliche spontane Singrunde scheint eine richtig schöne Tradition zu sein. Ich frage mich, wie so etwas überhaupt anfängt und ob man da einfach hingehen kann, oder ob das eine geschlossene Sache ist. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass genau solche kleinen, ungeplanten Dinge das Lokales Leben hier eigentlich ausmachen.
Das Geräusch der wöchentlichen Stimmen hinter dem Haus hat etwas Warmes und Vertrautes fast wie ein Rätsel der Nachbarschaft. Solche spontanen Treffen geben dem Viertel ein Gesicht und machen das Lokalleben greifbar.
Es klingt als sei das Ganze organisch entstanden, vielleicht aus einer ersten Improspielerei in einer offenen Garage oder einem kurzen Nachbarschaftsprojekt. Es könnte klein gestartet sein, vielleicht durch eine kleine Gruppe die nach einem langen Tag Musik macht. Wie beginnt so etwas eigentlich?
Ich glaube zuerst es sei eine geheime Chorprobe der Anwohner oder eine Art Verein der Musik macht. Die Garage könnte eine Verkleidung für ein inszeniertes Treffen sein und die Nachbarschaft wäre eingeladen aber niemand würde es sagen.
Vielleicht ist es doch nur Zufall und verschwindet bald wieder oder die Garage gehört eigentlich zu einer Bandprobe im öffentlichen Raum. Wer weiß wie lange so etwas anhält.
Neuer Blickwinkel. Ich würde es als eine Form lokaler Kommunikation sehen statt als Tradition. Klang und Nachbarschaft verschränken sich hier auf unerwartete Weise.
Vielleicht steckt dahinter ein Konzept kollektiven Klangrhythmus der sich spontan entfaltet und dabei eine einfache Idee von Gemeinschaft neu denkt.