Wie entwickle ich kulturelles kapital, um soziale ungleichheit zu verstehen?
#1
Ich habe letzte Woche in einem Seminar über soziale Ungleichheit gesessen und mir ist etwas aufgefallen, was mich seitdem beschäftigt. Der Dozent sprach über die Mechanismen der sozialen Reproduktion und wie schwer es ist, aus bestimmten Milieus auszubrechen. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie und war die Erste, die studiert hat. In der Diskussion sagte eine Kommilitonin, die aus einer Akademikerfamilie stammt, ganz selbstverständlich, dass ihre Eltern ihr schon früh „kulturelles Kapital“ mitgegeben hätten. Dieser Begriff ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe das Gefühl, mir fehlte genau das, aber ich kann es nicht richtig greifen. Es war nicht nur Geld, es war diese Art von Selbstverständlichkeit, in Museen zu gehen oder über bestimmte Bücher zu sprechen. Jetzt frage ich mich, wie man so etwas nachholen kann, oder ob das überhaupt möglich ist. Es fühlt sich manchmal an, als würde man die Regeln eines Spiels lernen, wenn alle anderen sie schon kennen.
Zitieren
#2
Es klingt wie eine stille Last die du trägst und die vielen bekannt vorkommt. Der Eindruck dass du nachholen müsstest was andere als Selbstverständlichkeit erleben ist ehrlich und belastend. Es ist nicht dein Versagen sondern die Art wie gesellschaftliche Kultur sich weitergibt und wer darin Türen hat.
Zitieren
#3
Aus der Sicht der Theorie bezeichnet kulturelles Kapital die mit dem Familiensystem vererbten Formen von Wissen Sprache und Vorlieben die den Einstieg in Bildung erleichtern oder erschweren. Es ist kein bloßes Geld sondern eine kulturelle Infrastruktur die tendenziell zu Reproduktion von Ungleichheiten führt. Man sammelt dieses Kapital oft schon bevor man zur Universität kommt durch das Umfeld und die Gespräche an dem man teilnimmt.
Zitieren
#4
Manche denken kulturelles Kapital heißt nur teure Bücher und Museumsbesuche doch es geht auch um wie man spricht welche Referenzen man kennt und wie ruhig man in Gruppen bleibt wenn andere laut diskutieren. Vielleicht hast du das Gefühl weil du solche Referenzrahmen noch nicht so oft gehört hast.
Zitieren
#5
Fragst du dich vielleicht ob man solche Muster wirklich nachholen kann ohne Teil des Spiels zu werden das andere scheinbar schon kennen?
Zitieren
#6
Vielleicht ist es hilfreich das Thema neu zu rahmen statt es zu lösen. Statt kulturelles Kapital als Defizit zu sehen könnte man es als Angebot betrachten das in bestimmten Kontexten leichter zugänglich wird.
Zitieren
#7
Es gibt Geschichten von Menschen die trotz Widrigkeiten neue Formate finden und eigene Rituale erfinden. Das bedeutet nicht das Ergebnis ist simpel sondern dass man eigene Toleranzen und Grenzen testet und mit anderen verhandelt.
Zitieren


[-]
Schnellantwort
Nachricht
Geben Sie hier Ihre Antwort zum Beitrag ein.

Bestätigung
Bitte den Code im Bild in das Feld eingeben. Dies ist nötig, um automatisierte Spambots zu stoppen.
Bestätigung
(Keine Beachtung von Groß- und Kleinschreibung)

Gehe zu: