Ich stehe gerade vor einem seltsamen Problem mit meinem Hörverhalten. Seit ich vor ein paar Monaten zufällig dieses Album von einer Band namens The Microphones entdeckt habe, kann ich kaum noch etwas anderes hören. Es ist "The Glow, Pt. 2". Irgendwie hat es sich in meinen Alltag geschlichen und jetzt fühlt es sich falsch an, einen Tag ohne diese spezielle Mischung aus zerfledderten Gitarren und raunenden Gesängen zu verbringen. Ich frage mich, ob das anderen auch schon mal so mit einem Album passiert ist, dass es einfach alles andere für eine Weile verdrängt.
Ja, das kenne ich gut. Man stößt auf ein Album und es schleicht sich in den Alltag, jeder Ton wird zur Tür in eine andere Stimmung. The Glow Pt 2 wird zur ständigen Begleitung, auch wenn man eigentlich wieder andere Musik hören wollte.
Aus Sicht des Hörens könnte das Phänomen damit zusammenhängen, wie bestimmte Klanglandschaften Emotionen und Gedächtnis vernetzen. Die zerfledderten Gitarren, die rauen Gesänge erzeugen eine intime Atmosphäre, die den Fokus dorthin verschiebt, wo der Alltag ohnehin schon bricht. Es ist nicht verrückt, dass eine Platte so lange präsent bleibt, solange sie eine kohärente innere Logik hat.
Ich dachte du fragst eher, ob man das Album sofort aus dem Kopf kriegt und wieder normal weiterhört. Vielleicht willst du eine Art Rezept, wie man von dieser einen Mischung loskommt. Es klingt wie eine Vereinfachung, aber ich merke, wie schnell sich das Hören zu einer kleinen Routine entwickelt.
Was wenn das gar kein störendes Phänomen ist, sondern eine Einladung zu einem neuen Hörmodus? Vielleicht ist es eher ein Prozess des Umkrempelns deines mentalen Lautstärkeregulators als ein Fehler.
Ich bleibe skeptisch, ob das wirklich nachhaltig so stark wirkt. Man kann sich ja auch leicht in einer Kurve wiederfinden, die sich nur gut anfühlt, ohne dass sich etwas Aktuelles verändert. Vielleicht ist es nur eine Phase und bald reicht wieder normale Luft.
Vielleicht geht es um ein Konzept das man Hörökologie nennen könnte, also wie Musik das innere Klima beeinflusst und wie sich eine Platte zu einer Art magnetischem Mittelpunkt wird, der andere Klänge aus dem Blick drängt, ohne dass man es sofort merkt.