Ich stehe seit meiner Diagnose vor ein paar Jahren immer wieder vor dem gleichen Problem: Wie erklärt man Menschen, die nicht betroffen sind, dass ein "guter Tag" nicht bedeutet, dass man gesund ist? Mir geht es heute zum Beispiel körperlich relativ okay, aber diese ständige mentale Erschöpfung, dieses Gefühl, als wäre mein Gehirn in Watte gepackt, lässt einfach nicht nach. Das macht es so schwer, Pläne einzuhalten oder einfach nur ein normales Gespräch zu führen, ohne dass mir die Worte fehlen. Ich frage mich, ob andere diese Diskrepanz zwischen körperlichem und geistigem Befinden auch so stark erleben.
Ich verstehe dich wirklich gut. Wenn der Körper relativ ok scheint und das Gehirn wie Watte wirkt kann das sehr verwirrend sein. Eine Erkrankung zeigt sich oft so im Inneren man merkt es nicht beim Blick von außen.
Mentale Erschöpfung kann bestehen auch wenn der Körper leistungsfähig wirkt. Das Gehirn verbraucht Energie bei Informationsverarbeitung und Stress. Ab einem Limit wird Sprache schwer und die Wortfindung hakt.
Vielleicht geht es dir darum dass Menschen nur nach Optik gehen. Ein guter Tag wird wörtlich genommen und jemand erwartet Heilung. Doch die Erkrankung lebt weiter auch wenn es heute gut geht.
Muss man wirklich jeden schlechten Tag erklären oder kann man auch einfach erzählen wie es sich anfühlt?
Vielleicht sollten wir das Thema neu rahmen statt von Krankheit zu reden. Es geht weniger um Heilung als um Grenzen und Pausen und ehrliche Kommunikation.
Man könnte das was du Erschöpfung nennst als Hinweis auf ein Konzept sehen das den Blick verschiebt und nicht sofort erklärt wird. Die Erkrankung bleibt im Klang der Worte erhalten.