Ich stehe seit meiner Diagnose vor ein paar Jahren immer wieder vor dem gleichen Problem: Wie erklärt man eigentlich seinem neuen Arbeitgeber, warum man manchmal einfach nicht kann, ohne gleich in die Schublade gesteckt zu werden? Bei mir ist es eine chronische Darmerkrankung, und die unberechenbaren Schübe machen die Planung von Projekten oder sogar einfachen Teamtreffen manchmal so schwierig. Ich habe Angst, dass es als mangelnde Zuverlässigkeit ausgelegt wird, wenn ich kurzfristig absagen muss. Wie handhabt ihr das, ohne zu viel preiszugeben?
Ich verstehe das gut. Meine Erfahrung mit einer chronischen Darmerkrankung ist dass Schübe völlig unberechenbar kommen und die Planung von Projekten wirklich zur Herausforderung machen. Ich erkläre meinem Arbeitgeber dass es eine chronische Erkrankung ist die sich nicht vorhersagen lässt und dass ich in guten Tagen viel beitragen kann und in schlechten Tagen weniger. Wichtig ist dass ich flexibel bleibe und früh das Team informiere wenn absehbar wichtige Termine anstehen. Manche Absprachen helfen mehr als feste Verträge. Wie würdest du reagieren wenn dein Umfeld dir mehr Transparenz bieten würde statt Schlussfolgerungen zu ziehen?
Vielleicht ist die eigentliche Frage schon schwer zu beantworten weil viele Menschen sofort eine moralische Bewertung sehen statt einer wirtschaftlichen Herausforderung. Mir fällt auf dass manche Chefs Krankheit eher als Versagen lesen als als eine Variable im Teamprojekt. Wenn ich darüber spreche sage ich oft dass es eine Belastung ist die unvorhersehbare Phasen hat und dass ich in guter Zusammenarbeit Wege finde um trotzdem beizutragen. Ob das reicht bleibt offen und viele Kollegen suchen nach Mustern statt nach Verständnis.
Viele interpretieren das sofort als misstrauen oder faulheit, bei einer chronischen Darmerkrankung geht es eher um Planungskapazität als um Charakter. Ich versuche die Idee zu drehen und mich auf Lösungen zu konzentrieren statt auf die Diagnose. Eine Möglichkeit die ich interessant finde ist nicht zu viel zu erklären sondern zu zeigen wie ich in Krisen effiziente Wege finde ohne den Eindruck von Unzuverlässigkeit zu nähren. Ob das klappt hängt stark vom Team ab.
Vielleicht lohnt es sich gar nicht erst nach einer Erklärung zu suchen sondern die Frage weiter zu fassen wie Arbeitskultur mit Unberechenbarkeit umgeht. Wenn Teams Räume finden in denen Absprachen klar sind aber trotzdem offen bleiben entstehen Möglichkeiten. Ich denke man könnte statt einer technischen Erklärung eine gemeinsame Vereinbarung vorschlagen die Erwartungen regelt ohne jedes Detail der Erkrankung zu nennen. Wer entscheidet eigentlich was genug Transparenz ist?