Ich sitze gerade vor meinem Skizzenbuch und starre auf die leere Seite, wie so oft. Irgendwie fühlt es sich an, als würde ich immer wieder dieselben Gesichter zeichnen, obwohl ich eigentlich ganz andere Charaktere im Kopf habe. Besonders bei Porträts habe ich das Gefühl, meine Figuren sehen aus wie Cousins, die sich alle heimlich ähnlich sind. Ich frage mich, ob das daran liegt, dass ich zu sehr in meiner eigenen Komfortzone bleibe, statt mich wirklich auf die einzigartigen Proportionen eines Gesichts einzulassen. Vielleicht geht es anderen hier ähnlich.
Die leere Seite erinnert daran, wie sehr du dich gegen die Gewohnheit sträubst, und doch schleicht sich das Vertraute immer wieder hinein, selbst wenn du andere Figuren willst.
Vielleicht ist das nicht der Mangel deiner Hand, sondern eine stille Gewohnheit in den Proportionen, die sich über die Zeit einnistet und deine Porträts wie Cousins wirken lässt.
Es könnte sein, dass du dich zu bequem einrichtest und die Idee von Einzigartigkeit eher als Ziel statt als Prozess siehst.
Frag dich, was dich wirklich hindert. Ist es der Druck, sofort etwas Verwertbares zu liefern oder die Angst vor dem Anderssein?
Skeptisch klingt vielleicht besser: Vielleicht ist diese Sorge nur ein Spiegel dessen, wie wir Erwartungen an Porträts knüpfen, ohne die Lust am Nebeneinander der Stile zu sehen.
Eine andere Lesart wäre, die Gesichter als Fragment eines größeren Charakters zu sehen und das mit einem neuen Rahmen statt mit einer Korrektur zu betrachten.
Vielleicht braucht es nur eine Idee, die das Thema neu rahmt und das Unfertige zulässt statt es zu lösen.