Ich stehe gerade vor einer Entscheidung, die mich echt umtreibt. Nach zwei Jahren in der Agenturwelt habe ich mit einem ehemaligen Kollegen eine eigene kleine Software-Beratung gestartet. Es läuft überraschend gut, und jetzt drängen erste Kunden darauf, dass wir ihnen eine fertige Lösung anbieten, statt nur Beratungsstunden. Die Idee, aus einem konkreten Kundenproblem ein skalierbares Produkt zu entwickeln, ist verlockend, aber ich habe schlaflose Nächte wegen der Frage, ob wir damit unsere solide Dienstleistungssparte gefährden. Irgendwie fühlt sich das an, als ob man das sicere Ufer verlässt, ohne zu wissen, ob das neue Boot überhaupt schwimmt. Wie habt ihr den Schritt vom Projektgeschäft zum eigenen Produkt erlebt?
Ich kenne dieses zittern vor der entscheidung. Der sichere Hafen der Beratung scheint stabil, doch die Vorstellung ein eigenes Produkt zu bauen wirkt wie Freiheit und Risiko zugleich. Man hat eine gute Beziehung zu den Kunden und plötzlich soll daraus eine eigenständige Lösung entstehen. Es ist normal zu zweifeln und doch reizt der Gedanke der Skalierung.
Aus meiner Sicht kommt es darauf an was hinter der Idee steckt. Wenn ihr ein wiederkehrendes Problem identifiziert das sich automatisieren lässt kann ein Produkt Sinn machen. Wichtig ist eine klare Hypothese und ein minimales Produkt das schnell Feedback auslöst statt erst einen großen Plan zu schreiben. Der Übergang ist weniger ein Sprung als ein langer Prozess aus Lernen und Anpassen.
Vielleicht verhandelt ihr die Idee falsch. Vielleicht geht ihr die Sache zu wagemutig an und übersieht dass Beratung und Produktentwicklung andere Wege gehen. Vielleicht habt ihr die Idee falsch verstanden und denkt ein fertiges Produkt löst alle Probleme sofort. Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt oder ist es nur der Wunsch nach mehr Sichtbarkeit?
Vielleicht lohnt es sich das Thema als Experimentierfeld zu sehen statt als endgültigen Schritt. Statt sofort ein Produkt zu bauen könnt ihr erst eine kleine Idee testen mit kurzen Iterationen und ohne großes Commitment. Wenn ihr merkt es klappt dann könnt ihr schrittweise mehr investieren. Der Kern ist nicht der Begriff Produktname sondern die Lernprozesse die ihr daraus zieht.