Ich stehe gerade wirklich an einem Punkt, an dem ich mich frage, ob mein minimalistischer Ansatz vielleicht zu weit geht. Seit ich vor einem Jahr mit dem Entrümpeln angefangen habe, fühlt sich mein Zuhause zwar klarer an, aber ich habe auch das Gefühl, dass ich anfange, Dinge wegzugeben, die eigentlich eine emotionale Bedeutung für mich haben. Letzte Woche habe ich fast die alte Kaffeetasse meiner Oma in die Kiste für den Flohmarkt getan, nur weil sie nicht in mein neues, strenges Farbschema passte. Das hat mich nachdenklich gemacht. Irgendwie fühlt es sich jetzt manchmal weniger nach Befreiung und mehr nach einem selbstauferlegten Druck an, eine perfekte, leere Ästhetik zu erreichen. Geht das noch jemandem so?
Ja das kenne ich gut. Es fühlt sich an als würde Klarheit Druck erzeugen. Minimalismus soll frei machen doch manchmal macht seine Strenge traurig. Die Kaffeetasse deiner Oma ist mehr als ein Ding. Sie trägt eine Erinnerung und das schmerzt wenn sie in den Müll soll
Was bedeutet Klarheit wirklich? Vielleicht geht es beim Minimalismus nicht um die Leere sondern um eine bewusste Auswahl der Dinge die uns wirklich tragen. Wenn etwas eine Erinnerung trägt bleibt es vielleicht in der Sammlung auch ohne strenge Ordnung
Vielleicht interpretierst du das zu strikt. Was bleibt und was verschwindet? Die Tasse ist doch kein Feind sie erzählt von Wärme und Sonntagen auch wenn sie nicht ins neue Schema passt
Skeptisch klingt es vielleicht doch fragst du dich ob der eigene Anspruch nicht zu streng ist. Wer sagt dass Minimalismus nur Leere bedeuten muss. Vielleicht ist weniger mehr wenn es bedeutet dass Dinge liebevoller ausgewählt werden
Vielleicht ist es hilfreich den Minimalismus nicht als Leere zu sehen sondern als eine Bühne in der Erinnerungen lebendig bleiben. Wenn du eine Tasse behältst schenkst du ihr einen neuen Sinn statt ihr zu verbannen