Ich stehe gerade an einem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich mit meiner Kunst wirklich noch auf dem richtigen Weg bin. Seit ein paar Jahren verdiene ich mein Geld hauptsächlich mit recht standardisierten Illustrationsaufträgen für kleine Unternehmen, was natürlich stabil ist. Aber ich spüre immer stärker, dass diese Arbeit meine eigentliche künstlerische Stimme erstickt. Ich vermisse das Experimentieren und das Gefühl, etwas zu schaffen, das wirklich von mir kommt und nicht von einer Kunden-Briefingvorlage. Andererseits habe ich natürlich auch Angst davor, das finanzielle Fundament zu verlieren. Vielleicht geht es einigen von euch ähnlich? Wie haltet ihr die Balance zwischen kommerzieller Arbeit und den persönlichen, freien Projekten, die euch eigentlich antreiben?
Ich kenne das. Man baut eine sichere Einnahmebasis auf und merkt plötzlich, dass die eigene Stimme im Hintergrund leise wird. Meine Lösung war, kleine, klare persönliche Experimente in die Woche zu integrieren, statt alles um Kundenbriefings zu wickeln. Kunst fühlt sich selten so frei an, wie wenn man am Rand der Plattform steht und den ersten Strich auf dem Papier macht.
Eine nüchterne Rechnung hilft manchmal. Eine 60 zu 40 Regel die 60 Prozent kommerzielle Aufträge und 40 Prozent persönliche Projekte umfasst. Aber der Knackpunkt ist, wofür der Druck da ist. Wenn die persönlichen Experimente erst einmal laufen, kann man eine wöchentliche Stunde dafür reservieren. Die Idee, dass Experimente Zeit kosten, ist paradox. Sie retten oft den Kern der eigenen Kunst.
Aber die Angst, das sichere Standbein zu verlieren, kann lähmen. Ich habe gelernt, dass man statt alles zu riskieren langsam migriert, neue Stilforschung parallel zum Hauptauftrag, ohne den fixen Auftrag zu beenden.
Sollte Kunst überhaupt eine Balance suchen oder ist der Konflikt der Treibstoff?
Vielleicht ist der perfekte Weg gar nicht zu finden, sondern zu akzeptieren, dass Wege sich wechseln.
Ich sehe es wie eine Arena in der kommerzielle Arbeiten und persönliche Projekte gegeneinander stehen. Manchmal mische ich beides in einem Auftrag um von beiden zu profitieren aber oft bleibt unklar ob die künstlerische Linie funktioniert.