Ich stehe gerade wirklich vor einer seltsamen kreativen Blockade. Seit ich vor einigen Monaten auf eine spiegellose Systemkamera umgestiegen bin, fange ich ständig an, meine eigenen älteren Fotos zu sehr zu analysieren. Ich schaue mir die Bilder an, die ich vor Jahren mit meiner alten DSLR gemacht habe, und frage mich, ob die emotionale Wirkung, die sie für mich haben, überhaupt mit der Technik zu tun hat oder ob ich heute einfach anders sehe. Es fühlt sich manchmal so an, als ob die neue Klarheit meiner Aufnahmen etwas von der ursprünglichen Stimmung auffrisst, nach der ich eigentlich suche.
Ich höre dich. Es klingt wie eine Begegnung mit dir selbst. Die neue Klarheit der Aufnahmen will deine alten Stimmungen prüfen. Vielleicht geht es weniger darum zu analysieren als zu fühlen und zu benennen was du dabei spürst.
Technik verändert Wahrnehmung. Wenn die Bilder heute klarer wirken verliert man leicht den Zufall der Szene und die Stimmung der damaligen Situation. Vielleicht hängt die Wirkung von Licht, Tonwerten und dem Zeitkontext ab. Die Frage ist ob das Gedächtnis sich verändert hat oder ob die Kamera einfach neue Möglichkeiten zeigt.
Du fragst dich ob es an der Technik liegt. Hast du die alten Bilder zuletzt wirklich so gesehen oder war es die Kamera die du heute anders verstehst und die Klarheit verändert dein Gefühl dafür?
Oder vielleicht ist die ganze Frage schon verkehrt. Was wenn du die alten Bilder neu betrachtest und die neue Klarheit als eigenes Kapitel akzeptierst statt zu vergleichen.