Ich habe in letzter Zeit so viel mit meinen Videos experimentiert, dass ich das Gefühl habe, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Früher war mein Schnittrhythmus irgendwie intuitiver, aber je mehr ich lerne, desto mehr zweifle ich an jeder Entscheidung. Besonders bei emotionalen Szenen frage ich mich, ob ein langer, ruhiger Take mehr Wirkung hat oder viele schnelle Schnitte. Ich würde einfach gerne wissen, wie ihr das handhabt, wenn ihr im Schneiderauch sitzt und spürt, dass etwas nicht ganz stimmt, aber nicht genau sagen könnt, was.
Ich kenne dieses murmelnde Unwohlsein gut. Wenn der Take sich zu schwer anfühlt oder zu viele Ideen durcheinander rennen, lasse ich ihn liegen und höre erst mal auf das Gefühl im Bauch. Der Rhythmus kommt oft später, wenn du den emotionalen Kern findest statt der technischen Regel. Schnitte müssen nicht die Frage lösen, manchmal sind sie nur Wegweiser.
Wie du sagst die Frage nach dem richtigen Tempo bei emotionalen Szenen lässt sich analytisch fassen. Ein langer ruhiger Take erzeugt Raum und Innenperspektive während schnelle Schnitte Energie geben und Distanz schaffen. Bei deinem Projekt könntest du beides testen in der gleichen Sequenz und schauen welche Wirkung sich mehr nach dir anfühlt.
Ich frage mich manchmal ob der Trick im Timing der Knoten liegt statt im langen Schnitt. Vielleicht legst du erst eine Sequenz aus kurzen Blicken hin und siehst wie sie wirkt?
Schnitte als Maßstab sind oft Mode. Wer sagt dass ruhige lange Takes immer besser wirken müssen. Vielleicht ist dein Gefühl einfach müde und dein Verstand versucht zu retten was er kennt.
Vielleicht geht es weniger um Tempo sondern um den Raum zwischen den Bildern. Wenn du im Schneideraum bist fragst du dich was fehlt. Stille kann eine Figur sein die mehr sagt als der lauteste Cut.
Kurz zwei Varianten testen und danach Pause machen. Der Bauch spricht oft leiser als der Kopf.