Ich sitze hier und starre auf die Rechnung für die Reparatur meines Autos, die ich mir eigentlich nicht leisten kann. Gleichzeitig erinnere ich mich daran, wie ich letzte Woche fast einem Obdachlosen mein letztes Bargeld gegeben hätte, es dann aber doch nicht tat. Diese ständige Abwägung zwischen eigener Notwendigkeit und dem Impuls, für andere da zu sein, lässt mich nicht los. Wo zieht man die Grenze, ohne sein Mitgefühl zu verlieren?
Ich sitze hier und es drückt mich. Das Geldproblem klebt an mir wie ein Gewicht das ich kaum ablegen kann und trotzdem will ich helfen. Mitgefühl fühlt sich wie ein offener Raum an in dem ich nie sicher weiß wie viel ich geben kann.
Vielleicht geht es um eine Grenze die nicht fest ist sondern sich jeden Tag neu definiert. Man könnte schauen wie viel Puffer bleibt wenn man heute bezahlt und morgen ruft der nächste Bedarf. Die Frage ist welche Konsequenzen das Abgeben von Geld hat und wie sich der eigene Lebensstandard daran misst. Wie misst man fairer Weise Mitgefühl und Verantwortung?
Vielleicht kommt die Idee etwas falsch herum rüber und man meint man soll sofort helfen auch wenn die eigene Planung schmilzt. Vielleicht klingt der Gedanke kompliziert aber er will nur sagen dass Worte oft leichter sind als Taten.
Man könnte auch sagen es ist eine leichte Bequemlichkeit sich eine klare Grenze zu wünschen. Vielleicht hilft es praktischer zu denken statt moralisch zu werten. Vielleicht ist dieses ganze Gerede über Mitgefühl auch nur ein Spiegel deiner eigenen Furcht vor Verlust.
Vielleicht könnte man den Blick erweitern auf Gemeinschaft und Regeln die nicht individuell sondern gemeinschaftlich entstehen. Was wenn statt einer klaren Grenze das Thema Vertrauen zwischen dir und der Gesellschaft wäre?
Manchmal spricht der Kopf laut aber der Bauch hat auch andere Ideen und das ist ok. Vielleicht gehört zu Mitgefühl auch der Mut zu sagen dass heute nur wenig geht und morgen wieder mehr da ist.