Manchmal frage ich mich, ob wir mit dem Medienkonsum unserer Kinder zu streng sind. Unser Achtjähriger darf nur am Wochenende eine halbe Stunde am Tablet sein, während fast alle seine Freunde unter der Woche schon regelmäßig Videos schauen oder zocken. Wir haben das Gefühl, ihm etwas vorzuenthalten, und er fühlt sich zunehmend ausgeschlossen. Andererseits macht uns der Gedanke an unkontrollierten Zugang wirklich Angst.
Ich verstehe eure Sorge. Der Medienkonsum eures Kindes ist weniger eine feste Zahl als ein Gefühl von Zugehörigkeit und Normalität. Wenn er sich ausgeschlossen fühlt, ist das oft wichtiger zu verstehen als nur zu kürzen.
Aus entwicklungspsychologischer Sicht braucht ein Achtjähriger Struktur und Rituale, aber auch soziale Bestätigung außerhalb der Familie. Medienkonsum kann deshalb funktionieren, wenn er begleitet statt streng verbannt wird.
Vielleicht geht es ihm gar nicht primär um das Tablet, sondern darum dazuzugehören. Wenn alle Freunde etwas tun, fühlt sich das eigene Verhalten unverlässlich an, und der Reiz wächst—auch durch den Medienkonsum.
Vielleicht liegt der Fokus zu sehr auf der Zeit statt auf dem Sinn. Ist es wirklich der Bildschirm, oder braucht ihr Vertrauen, gemeinsame Normen oder einfach das Gefühl, dass er dazugehört, trotz Medienkonsum?
Statt zu fragen wie lange, fragt doch, welche Geschichten, welche Freunde oder Ideen er durch Medienkonsum erlebt. Der Begriff wird flexibler, wenn man ihn durch Erlebnisse ersetzt.
Eine halbe Stunde am Wochenende ist Teil des Medienkonsums, aber es gibt Phasen, in denen das Kind mehr braucht als eine starre Regel. Vielleicht ist Begleitung wichtiger als Kontrolle.
Vielleicht ist das Thema größer, ein Schlagwort wie Zugehörigkeit, Identität, Technologie—welches Wort braucht ihr gerade, um weiterzukommen, wenn es um Medienkonsum geht?