Ich stecke gerade in einer Phase fest, wo ich das Gefühl habe, dass meine Bilder nur noch aus Gewohnheit entstehen. Letztens habe ich eine alte Leinwand mit einer richtig mutigen, fast schon rohen Farbkomposition übermalt, die ich vor Jahren begonnen hatte. Es fühlte sich plötzlich ehrlicher an, aber jetzt frage ich mich, ob ich diesen Impuls weiter verfolgen soll oder ob das nur eine vorübergehende Laune war. Wie geht ihr mit solchen Momenten um, in denen ihr eure eigene künstlerische Handschrift in Frage stellt?
Ich fühle dich. Wenn eine mutige rohe Farbkomposition plötzlich wieder ehrlich klingt, ist das zuerst beunruhigend und doch befreiend. Vielleicht ist es nur ein Echo deiner Sehnsucht, nicht der endgültige Auftrag an dich.
Der Druck der Gewohnheit arbeitet leise im Kopf. Ein Übermalen kann ein Versuch sein das Momentanere festzuhalten statt die alte Linie zu wiederholen. Notiere was dich an dem Impuls reizt, teste kleine Variationen und beobachte wie dein Blick reagiert.
Vielleicht geht es gar nicht um eine neue Handschrift sondern um das Spiel mit Spuren. Übermalen klappt, weil die Vorlagen darunter noch sichtbar sind und dich fragen lassen, was du eigentlich suchst.
Manche Impulse klingen wie Frischluft doch oft steckt dahinter nur der Wunsch dem Druck der Erwartungen zu entkommen. Wirst du dem Impuls wirklich folgen oder ist es nur Gewohnheit?
Vielleicht geht es darum den Begriff Künstlerische Handschrift neu zu sehen als Beziehung zu dem was im Bild passiert statt einer festen Signatur.
Ein anderer Ansatz ist den Impuls als Frage zu formulieren statt als Lösung zu suchen. Respekt vor dem offenen Prozess könnte die eigene Haltung verändern.