Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass meine Zeichnungen irgendwie flach wirken, obwohl ich mich mit Schattierung und Perspektive beschäftige. Vielleicht liegt es daran, dass ich zu sehr auf die Linien fixiert bin und den Mut nicht finde, wirklich kräftige, dunkle Akzente zu setzen. Gestern habe ich eine Skizze mit richtig tiefem, satten Schwarz nachgearbeitet und plötzlich hatte das ganze Bild viel mehr Kraft und Tiefe. Jetzt frage ich mich, ob andere auch so eine Phase kannten, in der sie lernen mussten, den Dunkelheiten in ihrer Arbeit mehr Raum zu geben.
Ja das kenne ich. Man sitzt da und die Linien wirken festgefahren. Erst wenn man wirklich dunkle Akzente setzt öffnet sich der Raum und das Bild bekommt Tiefe. Hast du das schon mal erlebt dass dunkle Akzente den Raum öffnen den man vorher nicht sah?
Vielleicht ist es nicht die Dunkelheit allein die das Bild trägt sondern die Verteilung der Werte und der Blick auf die Mitte des Bildes. Vielleicht hilft es die Szene als Wertekarte zu sehen und nicht als Schwarz gegen Weiß?
Aus analytischer Sicht macht es Sinn mit einer Wertestudie zu arbeiten. Leg zuerst eine Skizze mit hellen Tönen an und arbeite die dunklen Töne danach auf. Nutze weiche Kanten an den Rändern und harte Kanten dort wo der Fokus sitzt um die Dunkelheit zu strukturieren. Dunkelheit darf ruhig als eigenständiges Element funktionieren.
Ich hab den Eindruck du interpretierst das Thema Dunkelheit zu sehr als Stilmittel. Vielleicht meinst du doch eine andere Idee die hinter der Szene steckt statt nur Schwarz zu zeigen. Meinst du wirklich dass das Publikum die Dunkelheit fühlt oder nur du?