Manchmal frage ich mich, ob ich zu sehr in meiner eigenen kreativen Blase lebe. Ich zeichne und male jetzt seit Jahren fast nur noch digitale Fantasy-Landschaften, und es fühlt sich an, als würde ich immer wieder die gleichen Berge und Nebelwälder variieren. Letztens habe ich dann einfach mal angefangen, ganz altmodisch mit Tusche auf bröseligem Packpapier zu kritzeln, nur so zum Zeitvertreib. Plötzlich waren da ganz andere Formen, fast schon architektonisch. Es hat sich überraschend befreiend angefühlt, aber jetzt bin ich unsicher. Macht es überhaupt Sinn, diesem komischen neuen Impuls nachzugehen, oder lenkt mich das nur von meiner eigentlichen Arbeit ab?
Vielleicht merkst du gerade wie flexibel deine Kreativität ist. Wenn du wieder anders zeichnest öffnet sich vielleicht ein neuer Fluss in dein Denken.
Die Frage ob ein Impuls ablenkt oder erweitert deine Praxis ist eine sachliche Sache. Ein Impuls kann wie ein Spiegel funktionieren der innere Gewohnheiten sichtbar macht. Was würde passieren wenn du den Impuls einfach weiterverfolgst ohne zu urteilen?
Ich bleibe skeptisch. Manchmal klingt eine neue Form nach Befreiung doch oft tarnen sich darunter neue Erwartungen. Vielleicht ist es nur Ablenkung von der eigentlichen Arbeit und du lässt dich treiben.
Vielleicht ist das neue Denken gar kein Bruch sondern eine andere Sprache der Kunst. Wenn du es so festhältst kann es dir zeigen welche Aspekte deiner Welt noch fehlen und wie du sie in andere Formen übertragen könntest.
Vielleicht misstraust du der ganzen Sache und glaubst du willst nur Aufmerksamkeit statt echte Kunst machen. So klingt es manchmal wenn man eine neue Technik entdeckt.
Es fühlt sich befreit an und das ist kein Fehler. Lass dieses befreiende Gefühl zu auch wenn es sich komisch anfühlt und beobachte wie sich dein Blick wandelt.