Ich habe in den letzten Monaten angefangen, mit Aquarell zu malen, und irgendwie stecke ich jetzt in einer seltsamen Phase fest. Eigentlich wollte ich nur etwas für mich machen, aber jetzt habe ich einen ganzen Stapel halbfertiger Blätter, die ich nicht wirklich zeigen möchte, die ich aber auch nicht wegwerfen kann. Es fühlt sich an, als ob die anfängliche Freude irgendwie unter dem Druck verschwunden ist, dass am Ende etwas „Richtiges“ dabei herauskommen muss. Vielleicht geht es anderen auch so, dass man manchmal den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird, obwohl man eigentlich nur den Prozess genießen wollte.
Es klingt als ob du mit Aquarell eine stille Freude hattest und jetzt ein Druck wächst. Du stapelst halbfertige Blätter neben dir und fragst dich ob der Spaß verloren geht wenn am Ende etwas richtig aussehen muss. Vielleicht ist gerade das die Erfahrung dass man loslassen kann und trotzdem weiter malt.
Du beschreibst einen Wuchs aus Ideen und dann Erscheinungsformen die nicht mehr stimmen. Wenn der Anspruch zu groß wird bleibt oft die Freude im Hintergrund. Vielleicht hilft es das Ganze als kleines Forschungsprojekt zu sehen statt als Endkunde Auftrag. Kleine Übungen jeden Tag statt großer Werke schaffen Raum für den Fluss des Aquarell und weniger Druck.
Manchmal missverstehe ich die Prämisse und denke du suchst nach einem perfekten Bild dabei geht es doch ums Gefühl das sich beim Malen zeigt. Es gäbe eine Lesart in der die Sammlung von Blättern eine Karte deiner Stilentwicklung wird statt eine Galerie zu ernennen.
Oder es ist einfach nur eine Mischung aus Müdigkeit und Erwartung. Vielleicht ist der Gedanke an ein fertiges Werk ein Druck den man minus lösen muss. Skeptisch bleibt die Frage ob man wirklich ein fertiges Ziel braucht oder ob der Prozess selbst reichen könnte.
Vielleicht könnte man das Thema neu rahmen und dem Wort Unvollkommenheit Raum geben die fröhliche Unordnung eines Skizzenbuchs statt eines fertigen Bildes hervorzustellen. Das Konzept das hier durchscheint nennt man manchmal Wabi Sabi ohne es zu definieren.
Und ja es gibt eine Tür die sich öffnet wenn man den Druck reduziert und nur noch mit dem nächsten Pinselstrich weiter geht. Ein Muster aus Zufällen ein Konzept das noch nicht ganz klar ist bleibt sichtbar statt eine klare Botschaft zu liefern.