Wie finde ich wirklich zugehörigkeit in deutschland?
#1
Ich bin vor ein paar Jahren aus beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen und frage mich manchmal, ob ich wirklich angekommen bin. Letztens saß ich mit Kollegen nach Feierabend zusammen und habe gemerkt, wie viel Alltagswissen ich einfach nicht teile – von Kindersendungen über bestimmte Feiertagsbräuche bis zu lokalen Insider-Witzen. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ich spreche die Sprache im Job gut, aber diese kulturelle Integration fühlt sich wie eine zweite, viel langsamere Aufgabe an. Manchmal frage ich mich, ob das jemals so ein Gefühl von vollständiger Zugehörigkeit geben wird, oder ob das ein lebenslanger Prozess ist.
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#2
Es klingt nach einer langsamen Reise und das ist normal. Zugehörigkeit entwickelt sich oft schleichend, man bemerkt sie nicht an einem großen Moment sondern an vielen kleinen Augenblicken. Die Tatsache dass du merkst was du nicht teilst zeigt dass du aufmerksam bist. Vielleicht hängt es weniger an der Sprache im Job und mehr daran welche kleinen Rituale dich berühren. Was genau macht Zugehörigkeit sichtbar?
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#3
Aus analytischer Sicht ist das Thema vielschichtig. Wenn du in Gesprächen Lücken merkst liegt das oft an Insiderwissen das sich erst durch gemeinsame Erfahrungen öffnet. In Deutschland gibt es Alltagsrituale und Medienverweise die man nur versteht wenn man sie geteilt hat. Die Zugehörigkeit lässt sich eher an der Bereitschaft messen solche Referenzen zu erklären und sich darauf einzulassen. Welche Brücke könntest du dir vorstellen um solche Referenzen gemeinsam zu bauen?
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#4
Vielleicht ist der Druck eine vollständige Zugehörigkeit zu spüren zu stark. Man kann gut arbeiten und trotzdem fremd bleiben. Es geht eher um funktionale Integration statt um eine komplette kulturelle Identität. Manchmal nutzt man Sprache gut und fühlt sich doch allein in einer Pause. Könnte es reichen die eigene Geschichte zu pflegen statt eine vorgefertigte Nationalerzählung zu suchen?
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#5
Statt Zugehörigkeit als Ziel zu sehen könnte man die Situation als ständige Überschneidung von Lebenswelten begreifen. Du bringst deine Herkunft mit hinein und Deutschland verändert dich im Gegenüber immer auch ein wenig. Die Idee einer festen Identität wird dadurch irritiert und neue Hybride entstehen. Vielleicht ist das der eigentliche Sinn statt einer Endposition.
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#6
Klingt nach einer Reise mit vielen Verzweigungen und manchmal auch Zufällen. Es gibt kein Rezept das alles erklärt und doch gibt es Momente die sich wie kleine Anker anfühlen. Bleib neugierig auch wenn du nicht alle Insider verstehst das zählt auch zu dir.
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