Ich habe in letzter Zeit so viel mit meiner eigenen Handschrift gearbeitet, dass ich das Gefühl habe, den Blick für gute Buchstabenformen zu verlieren. Jedes Mal, wenn ich jetzt eine klassische Grotesk wie die Helvetica sehe, wirken die Buchstaben auf mich plötzlich fremd und fast schon zu perfekt. Ich frage mich, ob das nur eine Phase ist oder ob dieser intensive Fokus auf das Handgeschriebene meine Wahrnehmung für andere Schriftarten dauerhaft verändert hat.
Es klingt nach einer inneren Achterbahnfahrt mit der eigenen Schrift und das ist normal wenn man sich so stark auf Handschrift konzentriert.
Aus einer analytischen Sicht verändert intensiver Fokus die Gewohnheiten der Augen und damit die Erwartungen an Formen und Linien in der Schrift.
Vielleicht missverstehst du die Situation und fragst dich ob Helvetica zu perfekt wirkt und ob das an deinem Wunsch nach mehr Dynamik liegt?
Ich bleibe skeptisch ob das dauerhaft bleibt oder nur ein flüchtiger Blickwinkel ist der sich wieder hebt.
Vielleicht ist es eine Einladung die Schrift als System neu zu sehen statt sie zu bewerten und sich weniger auf das Urteil zu versteifen.
Versuchsweise zwei kurze Übungen jeden Tag mit neutralen Zeichen helfen deinem Blick wieder flexibel zu werden und die Schrift wird weniger fremd.