Ich war letzte Woche auf einer Familienfeier und es ging, wie so oft, irgendwann um die aktuellen Nachrichten. Mein Onkel meinte nur so nebenbei, dass man ja eh nichts ändern könne und es besser sei, einfach nicht hinzusehen. Das hat mich irgendwie nicht losgelassen, seitdem. Ich frage mich, ob dieses Wegschauen nicht genau das Problem ist. Wie geht ihr damit um, wenn ihr das Gefühl habt, dass um euch herum eine Art moralischer Kompass verloren geht?
Ich kenne das Gefühl. Wenn um dich herum der moralische Kompass wankt versuche ich ehrlich zu sagen was mich stört auch wenn es unbequem ist.
Man könnte Wegschauen als eine Kosten Nutzen Rechnung sehen doch damit verschiebt sich Verantwortung nicht. Wann ist es sinnvoll einzuwenden und wann bleibt es besser still?
Vielleicht geht es ja gar nicht um Politik sondern darum wie wir die Regeln im Familienkreis verhandeln.
Wegschauen ist oft Bequemlichkeit doch ich zweifle daran dass Schweigen die Welt verändert.
Vielleicht sollten wir statt moralischem Kompass eher eine gemeinsame Sprache finden die uns hilft zuzuhören bevor zu werten.
Ich denke an eine Vorstellung von ethischer Aufmerksamkeit die nicht zu schnell ein Urteil fordert sondern Fragen offen lässt.