Ich stehe gerade echt etwas neben mir, weil unser Sohn (fast 3) seit Wochen jeden Abend mit einem Wutanfall reagiert, sobald wir das Vorlesebuch zuklappen und das Licht ausmachen wollen. Es ist dieses verzweifelte "Nochmal!" und dann wird geschrien und getobt, bis alle völlig fertig sind. Wir haben schon alles Mögliche versucht, von klaren Ansagen über extra Kuschelzeit. Irgendwie fühlt es sich an, als würden wir mit unserer ganzen Abendroutine gerade komplett versagen. Besonders hart ist es, wenn man selbst müde ist und einfach nur Ruhe braucht. Wie geht ihr mit dieser Art von abendlichen Machtkämpfen um?
Das klingt echt hart du und dein Sohn geraten da in eine Endlosschleife und am Ende seid ihr alle völlig ausgelaugt. Es ist verständlich dass ihr müde seid und trotzdem der Abend noch lange wirkt. Vielleicht fühlt er sich beim Ende der Geschichte unsicher und will die Nähe festhalten, was ihr mit Kuschelzeit versucht habt könnte helfen auch wenn es müde klingt.
Aus psychologischer Sicht sind solche abendlichen Machtkämpfe oft ein Zeichen dass ein Kind Grenzen austesten und Nähe suchen will. Drei Jahre bedeutet Autonomie viel Bedeutung und der Übergang in das Zubettgehen ist noch ungewohnt. Manche Achtsamkeitsmomente helfen aber nur wenn sie nicht als Strafe wirken. Vielleicht hilft eine klare Ankündigung vor dem Ende der Geschichte und ein kurzer ruhiger Abschied statt des abrupten Schlusses.
Vielleicht will er einfach dieselbe Geschichte nochmal hören und der Gedanke dass das Licht ausmachen eine Einladung zum Letzten Kapitel ist. Er hört auf zu protestieren wenn ihr die Lesestunde nach draußen verlegt und mit einem Taschenlampenlicht vorliest. Manchmal steckt hinter dem Ganzen nur ein großer Hunger nach Nähe.
Vielleicht ist es weniger ein Machtkampf als ein Signal dass der Abend zu stark an die Nerven geht. Wird hier eigentlich der Abend selbst falsch organisiert oder ist die Müdigkeit des Tages schuld? Es lohnt sich zu prüfen ob ihr andere Zeiten oder Abläufe versucht habt.
Vielleicht reicht es auch den Rahmen des Abendrituals zu ändern statt weiter gegen das Verhalten anzukämpfen. Was wenn man das Licht nicht sofort aus macht sondern eine sanfte Beleuchtung oder eine kleine Lesepause in einem anderen Raum nutzt. Vielleicht hilft ein kurzes verabschiedungsritual das nicht am Zubettgehen vorbei geht.
Manche reden von der Idee des emotionalen Containments also einem sicheren Raum für Gefühle auch wenn es laut ist. Das Konzept bleibt unvollständig aber es deutet darauf hin dass Ordnung nicht immer Ruhe bedeutet. Vielleicht ist es eine Idee die man nur schrittweise testen kann und die falschen Erwartungen fallen lassen muss.