Ich sitze gerade an meiner Abschlussarbeit und habe das Gefühl, ich verliere mich total in den Details. Eigentlich wollte ich nur eine kleine Fallstudie analysieren, aber jetzt habe ich über 30 Seiten nur zur Methodik und frage mich, ob das überhaupt noch zum Kern meiner Forschungsfrage passt. Irgendwie fehlt mir der rote Faden und ich weiß nicht, ob ich einfach zu tief im Thema stecke oder ob dieser ganze methodische Überbau wirklich nötig ist.
Es klingt, als wärst du mitten in einem dichten Dickicht aus Details. Solche Phasen passieren fast jeder Abschlussarbeit. Vielleicht hilft es, die Kernfrage wieder sichtbar zu machen und die Methodik darauf auszurichten, statt umgekehrt. Was passiert, wenn du deine Kapitel nach dem roten Faden scannst und nur das behältst, was direkt darauf einzahlt?
Bevor du weiter schreibst, zeichne dir eine einfache Karte der Argumentation: Kernfrage in die Mitte, daneben die Schlüsse, darunter die Belege und die Methodik, die diese Brücke trägt. So lässt sich prüfen, ob jeder Abschnitt wirklich zur Kernthese beiträgt. Könnte das helfen, den roten Faden sichtbar zu machen, ohne jedes Detail zu verteidigen?
Du wolltest eine Fallstudie, bekommst aber eine Art Meta-Analyse der Methode. Vielleicht ist das ja der eigentliche Gegenstand, oder zumindest eine verständliche Nebenwirkung deines Projekts. Manchmal hilft es, die Erwartungen zu klären: Was zählt wirklich als Beleg für die Kernbehauptung?
Vielleicht ist der ganze methodische Überbau wirklich überbewertet. Wer sagt denn, dass eine Abschlussarbeit eine perfekte Logik braucht, um Sinn zu ergeben? Manchmal funktionieren Fragen besser als perfekte Antworten, und der Druck, alles sauber abzuleiten, klemmt eher als er hilft.
Vielleicht könntest du das Ganze auch als offenes Forschungsnotizbuch sehen statt als fertigen Bericht. Der Begriff Forschungsnotizbuch erlaubt es, Unklarheiten, Fehlinterpretationen und Umwege sichtbar zu machen, ohne dass du sie hinter einer finalen Fassung verstecken musst.