Ich arbeite seit ein paar Jahren in einem sozialen Beruf und bin eigentlich davon überzeugt, dass jeder Mensch eine grundlegende Würde besitzt. Aber letztens hatte ich eine Situation mit einem Klienten, dessen Verhalten wirklich schwer auszuhalten war. Es hat mich total verunsichert, weil ich in dem Moment einfach nur weg wollte, obwohl es doch mein Job ist, da zu sein. Ich frage mich, wie man diese Überzeugung von der unveräußerlichen Würde wirklich im Alltag aufrechterhält, wenn sie so auf die Probe gestellt wird.
Ich kann nachempfinden wie zerrissen du bist. Wenn der Klient so herausfordernd wird dass du am liebsten einfach weg willst bleibt die Würde nicht draußen sondern wird innerlich auf die Probe gestellt. Vielleicht erinnert sie uns daran dass Würde nicht bedeutet alles zu ertragen sondern dem eigenen Grenzbereich Raum zu geben. Vielleicht hilft es kurz Abstand zu nehmen und danach wieder zuzuhören mit einer wachen Haltung.
Aus Sicht der Praxis ist Würde keine feste Eigenschaft sondern eine laufende Übung Es geht um klare Grenzen Selbstfürsorge und eine verlässliche Begleitung im Team Wenn Überforderung spürbar wird kann das Gespräch mit einer Supervisorin oder einem Supervisor helfen und die eigene Belastbarkeit mit kleinen Schritten prüfen Wie könnte eine erste einfache Anpassung aussehen die dir Stabilität gibt?
Vielleicht missverstehe ich die Sache ja aber Würde bedeutet nicht dass man immer friedlich zustimmt sondern dass man den anderen als vollständigen Menschen wahrnimmt In der Praxis kann das bedeuten dass man auch schwierige Gefühle anerkennt und trotzdem anwesend bleibt Könnte es hilfreich sein kleine Rituale zu entwickeln wie Atemübungen oder kurze Nachbesprechungen im Team um die Belastung zu verarbeiten?
Interessanter Gedanke die Würde als Kern zu sehen doch in der echten Begegnung stoßen wir oft auf Grenzen Macht und Erwartungen Vielleicht hilft es das Thema neu zu rahmen statt es blind zu verteidigen Wörtlich geht es dann eher um Beziehungsdynamik und Rahmenbedingungen als um eine innere Tugendfrage Welche neue Perspektive würdest du dir zutrauen um den Alltag in deiner Arbeit etwas offener zu gestalten