Ich sitze gerade vor meinem Tablet und starre auf diese leere Leinwand. Eigentlich wollte ich heute einfach nur eine schnelle, lockere Übung machen, aber jetzt habe ich mich total in den Details einer einzelnen Haarlocke verloren. Das passiert mir ständig. Ich fange mit etwas Leichtem an und ende in diesem hyperfokussierten Zustand, wo ich stundenlang an winzigen Texturen feile. Am Ende bin ich erschöpft und der eigentliche Charakter oder die Stimmung des Bildes ist irgendwie auf der Strecke geblieben. Geht es euch auch manchmal so, dass ihr das große Ganze aus den Augen verliert, weil ihr euch in einem Detail verrennt?
Ja das kenne ich gut. Man will einfach nur eine lockere Übung machen und verliert sich dann in einer Haarlocke, als hätte das Detail eine eigene Agenda. Das große Ganze verschiebt sich aus dem Blick.
Aus psychologischer Sicht zieht der Detailfokus sofort Feedback, und das große Bild braucht Geduld damit es Sinn ergibt. Solange du dich an kleinen Texturen orientierst, bekommt dein Gehirn Belohnungen, erst später kommt der Sinn des Ganzen.
Manchmal ist es auch nur Langeweile in einer schönen Form, und der Kopf will Fakten statt Gefühle. Trotzdem finde ich das flüchtige Gefühl von Texturen interessant, auch wenn es das Bild anpasst statt es abzubilden.
Vielleicht ist das kein Fluch sondern ein Trick des Kopfes um sich nicht festlegen zu müssen. Die Frage bleibt ob man mit dieser Art von Fokus wirklich Kunst macht oder nur Muster sammelt.
Vielleicht könnte man versuchen den Prozess neu zu rahmen statt die Lösung zu suchen. Statt nach dem ganzen Bild zu greifen probiere doch mal eine Regel wie nur drei Texturen anzugehen und zu schauen was übrig bleibt.
Was wenn das große Ganze gar nicht wichtig ist und die Haarlocke nur die Stimmung trägt, fragst du dich das manchmal?