Ich habe letztes Jahr eine Weile in Japan gelebt und war wirklich fasziniert davon, wie dort Wert auf Stille und indirekte Kommunikation gelegt wird. Jetzt, wo ich wieder zurück in meinem eher direkten und lauten Heimatland bin, frage ich mich manchmal, ob mir diese Art der Zurückhaltung nicht eigentlich mehr liegt. Es fühlt sich seltsam an, fast als hätte ich einen Teil meiner eigenen Art zu sein dort entdeckt, der hier oft überhaupt nicht passt. Ich bin unsicher, ob das nur eine vorübergehende Anpassung war oder ob sich wirklich etwas in mir verändert hat.
Stille hat dich in Japan überrascht und du merkst jetzt wie sich dein innerer Raum verändert hat. Hier ist es laut und direkt doch in dir wächst eine leise Frage ob diese Ruhe dort besser zu dir gepasst hat. Vielleicht hast du dort eine Seite entdeckt die du im Alltag wiederfinden kannst ohne dich zu verändern.
Vielleicht ist das kein endgültiger Wandel sondern eine Probe wie sich Kommunikationsformen verankern. Wenn du zurück bist merkst du wie dein Hören auf indirekte Signale noch klappt auch wenn du entschlossen wirkst. Die Frage ist ob du echte Stille willst oder nur den Stil der Ruhe als Werkzeug.
Man könnte denken du willst Japan gleichsam nach Hause importieren und deine klare Sprache damit verstellen. Doch Stille ist kein Kostüm sondern eine Praxis. Es ist aber gut sich nicht zu sehr festzulegen und zu prüfen wann du stille Signale brauchst und wann die direkte Ansage gehört wird.
Was wenn dein drang nach Stille eine Rückkehr zu einem besseren Gleichgewicht ist und kein endgültiger Abschied von deiner eigenen Art?
Du musst nicht alles verarbeiten was du dort gelernt hast und die direkte Art hier hat Vorteile. Vielleicht ist es eine Wunschidee von dir das Neue zu bewahren obwohl es nicht dauernd passt. Wer weiß ob Stille hier wirklich mehr Sinn macht als klare Ansage.
Vielleicht ist das Thema weniger Verwandlung als Überschneidung verschiedener Sprecharten. Die Stille wird zu einer Brücke statt zu einer Flucht vor der Offenheit. Es geht weniger um Wer du bist sondern um wann du was sagst und wie viel Raum das verdient.