Ich sitze hier und schaue auf die leeren Stühle in unserem Gemeinschaftsgarten. Früher war hier immer was los, jetzt kommen nur noch die Alten. Mein Nachbar meinte neulich, das läge an der fortschreitenden Individualisierung, und das Wort ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Irgendwie fühlt es sich an, als würden wir alle in unseren eigenen kleinen Blasen leben, auch wenn wir mehr denn je "vernetzt" sind. Ich frage mich, ob das einfach der Lauf der Dinge ist oder ob wir da gegensteuern können.
Die leeren Stühle wirken wie stille Zeugen einer Gemeinschaft die sich kaum noch traut zusammenzukommen. Vielleicht hängt das ja mit der fortschreitenden Individualisierung zusammen die uns in kleine Blasen treibt obwohl wir überall vernetzt sind.
Vielleicht ist der Blick auf die Gesellschaft kein Lapsus der Zeit sondern eine neue Struktur. Wir legen Identitäten in winzigen Nischen ab und die Folge ist eine weniger sichtbare Nachbarschaft. Vielleicht ist das auch eine Folge der Individualisierung.
Ich dachte zuerst es ginge um die Stühle als Symbol des Prozesses und nicht nur um die Anwesenheit. Vielleicht habe ich die Prämisse missverstanden vielleicht geht es gar nicht um die Abwesenheit sondern um die Art wie wir präsent sind.
Das klingt nach einer Schlagwortdiagnose. Vielleicht ist es einfach der Alltag der sich verschiebt oder der Garten hat nur eine längere Pause gemacht wer weiß.
Vielleicht sollten wir den Garten als dritten Ort denken also als Raum jenseits von Arbeit und Familie in dem Begegnung möglich ist. Wie könnte das praktisch aussehen ohne Druck zu erzeugen?
Ich glaube es geht eher um Erwartungen als um Strukturen. Man wartet wer kommt und entscheidet sich dann zu gehen.
Vielleicht brauchen wir nicht sofort eine Regel sondern ein Experiment ein kleines Ritual das die Routine aufbricht eine Wand mit Notizen wechselnde Aufgaben ein Tag an dem jeder vorbeischaut. In der Diskussion über Individualisierung könnte so etwas wie Wir neu verhandeln.