Ich habe letztens mit meinem alten Fernglas den Jupiter beobachtet und versucht, mir die Entfernungen klar zu machen. Es hat mich irgendwie umgehauen, dass das Licht, das ich sehe, schon über eine halbe Stunde unterwegs war. Seitdem grüble ich, wie man sich diese Leere dazwischen überhaupt vorstellen soll. Dieser riesige Raum wirkt für mich nicht wie nichts, sondern fast wie ein eigenes Ding.
Das Licht von Jupiter hat mich erwischt, als hätte es mir eine kalte Dusche aus Zeit geschenkt. Der Raum zwischen den Dingen fühlt sich nicht leer an, sondern wie eine eigene Stimme, die etwas mit dir redet, wenn du lange hinschaust.
Wenn das Licht eine halbe Stunde unterwegs war, rechne ich mit der Geschwindigkeit des Lichts. Von Jupiter bis zur Erde braucht es rund 40 Minuten, das heißt die Entfernung war zum Zeitpunkt des Fotos auf dieser Reise der Wolkendecke so fest wie ein Maßstab und ändert sich mit der Bewegung der Planeten.
Vielleicht stelle ich mir den Raum zwischen uns und Jupiter wie eine stille Luftschicht vor die keine Geräusche überträgt. In Wirklichkeit ist dort viel los auf kleinsten Skalen, aber das merkt man nicht beim Blick durch Glas.
Warum sollte Leere überhaupt nichts bedeuten. Vielleicht ist Leere eher eine Zuschreibung unserer Augen und Instrumente. Wer sagt dass dazwischen wirklich nichts existiert als eigener Charakter?
Statt die Leere zu loben könnten wir ihr eine Rolle als Bühne geben. Raum und Zeit arbeiten zusammen und das Licht ist nur der äußere Ton eines viel größeren Gesprächs.
Ein Konzept das oft übersehen wird ist die Raumzeit. Sie klingt abstrakt, aber sie schneidet die Distanz zwischen dir und Jupiter zu einer Art Gewebe, das sich mit jeder Bewegung deines Blicks verschiebt.
Vielleicht ist das Beobachten eher eine Frage an dich selbst als eine Antwort an das Universum. Wer weiß, wie viel von dem was du siehst wirklich da ist und wie viel dein Kopf hinein interpretiert.