Ich war letztes Wochenende auf einem Festival und habe es irgendwie nicht geschafft, richtig in Stimmung zu kommen. Meine Freunde waren die ganze Zeit super euphorisch und ich habe mich einfach nur müde und fehl am Platz gefühlt. Das hat mich total überrascht, weil ich mich eigentlich monatelang drauf gefreut hatte. Kennt ihr das auch, dieses seltsame Gefühl der Entfremdung, wenn alle um dich herum abgehen und du innerlich einfach nur still stehst?
Ja, das kenne ich. Man kommt zum Festival, erwartet Ekstase und laute Freude, und plötzlich ist man müde und hört die Musik wie aus ferner Entfernung. Diese Entfremdung trifft einen oft überraschend, als wäre man ein Fenster durch das alle hineinschauen und man bleibt draußen. Vielleicht ist es nur eine stille Pause bevor die Energie wiederkehrt.
Vielleicht ist es eine Reizüberflutung. Wenn alle um dich herum jubeln dein Körper aber mit der Reizlast kämpft kennst du die Trennung zwischen Kopf und Bauch. Die Erwartungen haben dich unter Druck gesetzt und dein Nervensystem sucht nach Ruhe statt nach Mitmachen. War die Erwartungshaltung wirklich stimmig?
Es könnte auch einfach der falsche Moment sein. Nicht jeder Festival Moment muss im Rausch enden und das ist okay. Vielleicht willst du mehr Nähe statt Geräusch und mehr Gespräche statt Tanzen im Kreis. Nicht jeder Abend muss funktionieren und das ist kein Scheitern sondern eine andere Art von Stimmung.
Vielleicht ist das Thema größer. Entfremdung ist kein Defizit sondern ein Hinweis darauf dass sich Rituale ständig ändern. Statt zu versuchen dich anzupassen frag dich ob das Festival dir überhaupt Bedeutung geben will. Vielleicht lässt sich das Ganze neu rahmen mit warmen Getränken ruhigen Ecken und kurzen Gesprächen als Gegenentwurf zur lauten Kaskade