Ich frage mich, ob es anderen auch so geht. Seit mein bester Freund vor ein paar Monaten Vater geworden ist, fühlt sich unsere Freundschaft an, als würde sie langsam verblassen. Wir telefonieren vielleicht noch einmal alle zwei Wochen, und das Gespräch wirkt dann irgendwie gehetzt. Früher haben wir stundenlang über alles Mögliche geredet, jetzt dreht sich fast alles um Windeln und Schlafmangel. Ich freue mich wirklich für ihn, aber gleichzeitig vermisse ich diese Verbindung, die wir hatten. Ich bin unsicher, wie ich damit umgehen soll, ohne wie ein Egoist dazustehen.
Ich sehe wie schwer das für dich ist. Es fühlt sich an als würde der Boden unter deinen Füßen weicher werden obwohl du dich wirklich freust dass dein Freund Papa geworden ist. Freundschaft ist kein statischer Vertrag sondern ein Feld das sich mit dem Leben wandelt. Du merkst dass ihr weniger Poesie im Gespräch habt und mehr Windeln im Gepäck und trotzdem bleibt da der Wunsch nicht verloren zu gehen. Vielleicht reicht es dir kleine ehrliche Momente zu schenken in denen ihr über den alten Kram redet ohne zu fordern dass alles gleich bleibt
Es könnte helfen das Thema so zu benennen dass es nicht vorwurfsvoll klingt. Du bist ehrlich über das was du vermisst aber freust dich trotzdem für ihn. Vielleicht hat sich eure Dynamik verschoben und das ist normal weil sich Lebensrollen verschieben. Ein praktischer Schritt wäre regelmäßige kurze Calls zu planen in denen ihr bewusst Abstand vom Alltag nehmt oder einen gemeinsamen Plan zu finden der Raum für Tiefgang lässt ohne Druck. Es muss nicht bedeuten dass ihr euch verliert es könnte bedeuten dass ihr neue Muster gestaltet die beide okay finden
Vielleicht verwechselst du Nähe mit Dauer. Vielleicht denkt dein Freund gerade in Überlappen von Müdigkeit und Glück und deine Erwartungen treffen dort nicht mehr. Oder du projizierst deine Sehnsucht nach dem früheren Gesprächsflow auf die ganze Freundschaft. Es sind zwei Geschichten die sich gegenseitig treffen aber nicht zwingend im gleichen Tempo laufen
Warum muss Freundschaft immer dieselbe Tiefe behalten oder sichtbar bleiben? Vielleicht ist Veränderung überhaupt das eigentliche Muster und nicht der Verlust. Vielleicht kommt Nähe jetzt anders in stillen Gesten in dem Verständnis dass Windeln und Schlafmangel kein persönlicher Seitenhieb sind. Oder du stellst die Frage ob das so bleibt und lässt Raum ohne eine Lösung zu erzwingen