Ich sitze gerade vor meinem letzten Projekt und frage mich, ob ich zu sehr an meinem eigenen Stil festhalte. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Arbeit wirkt dadurch irgendwie vorhersehbar, fast wie eine endlose Variation desselben Themas. Andererseits fürchte ich, dass ich mich verliere, wenn ich zu sehr experimentiere. Wie geht ihr mit diesem Spagat zwischen Wiedererkennungswert und frischen Ideen um?
Es trifft mich auch, dieses ständige Hin- und Her. Manchmal hat mein eigenes Werk eine warme, vertraute Stimme, und plötzlich klingt es wie dieselbe Melodie in einer anderen Tonlage. Vielleicht ist das kein Fehler, sondern ein Zeichen, dass ich noch immer dieselben Fragen suche.
Du kannst den Spagat als Balanceakt sehen: Wiedererkennungswert schafft Vertrautheit, bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn du zu sehr wechselst, verlieren Leserinnen oder Auftraggeber die Orientierung. Setze dir klare Grenzen, etwa ein festes Kernthema, und experimentiere außerhalb davon.
Ich dachte, man müsste die eigene Optik völlig aus dem Fenster werfen, als wäre das der einzige Weg. In Wahrheit kann es aber bedeuten, denselben Kern auf völlig neue Weise zu erzählen, statt ihn zu zertrümmern.
Vielleicht ist der ganze Spagat nur ein Trick des Kopfes. Manchmal wirkt Veränderung wie Nervenkitzel, doch am Ende ist es oft der Druck, ständig neu anfangen zu müssen.
Statt von Stil zu sprechen, könnte man das Projekt als fortlaufenden Diskurs sehen, in dem Variationen wie Dialogbeiträge funktionieren. Dann braucht es kein klares Ende, sondern eine Einladung, weiterzuhören.
Was wäre, wenn du eine klare Hauptpassage behältst und daneben zwei, drei kurze Experimente stellst, um zu sehen, wie Reaktionen darauf ausfallen?