Ich sitze gerade an einem Projekt, bei dem ich eine sehr ruhige, fast meditative Stimmung einfangen möchte. Die Bilder sind da, aber beim Ton komme ich einfach nicht weiter. Ich habe mit verschiedenen Umgebungsgeräuschen experimentiert, aber es fühlt sich immer entweder zu aufdringlich oder zu leer an. Mir ist der Gedanke gekommen, vielleicht mit einer Art von Audio-Bokeh zu arbeiten, also diesen weichen, unscharfen Klangteppich im Hintergrund. Ich frage mich, ob das überhaupt ein etablierter Ansatz ist oder ob ich da etwas komplett Seltsames versuche. Wie geht ihr vor, um eine Atmosphäre zu schaffen, die mehr fühlbar als hörbar ist?
Ich suche Ruhe im Rand des Klangs. Das Audio Bokeh Gefühl entwickelt sich, wenn Geräusche nur angedeutet sind und der Raum selbst spricht statt der Details. Es geht nicht darum wie viel man hört, sondern wie wenig man braucht damit der Geist sich beruhigt.
Aus der Sicht der Akustik entsteht Atmosphäre durch Verteilung der Spektren, Tiefe des Reverbs und langsame Dynamik. Um einen leisen Eindruck zu erzeugen reduziere Modulationen, weiches Filtering und einen behutsamen Aufbau von Räumlichkeit statt auffälligen Geräuschen. So bleibt der Klang fast unsichtbar und trotzdem spürbar.
Ich mische das schon falsch ein und denke an eine Kamera Wirkung statt an Töne, also an unscharfe Klangflächen statt klarer Details. Das würde die Szene eher tragen als erklären. Oder soll das eher eine stille Landschaft werden?
Ich bleibe skeptisch in dieser Sache und frage mich ob Audio Bokeh wirklich funktioniert oder nur ein Name für ein Gefühl ist. Ruhe kommt oft nicht von Tricks sondern von Raum und Geduld, der Zuhörer darf Zeit geben.
Vielleicht lohnt es sich den Blick zu verschieben weg von lauten Details hin zu Raum Zeit und Erwartung des Zuhörers. Man könnte die Szene wie eine Klangfläche nutzen die sich langsam ausbreitet ohne drängende Bewegungen.
Eine Idee könnte sein das Thema als Konzept der stillen Resonanz zu fassen und es als Kern eines Motivs zu verwenden ohne es zu erklären. Das Stichwort Audio Bokeh dient hier als Startpunkt der Wahrnehmung.