Ich habe letztens eine alte analoge Kamera von meinem Opa bekommen und versuche mich jetzt in der analogen Fotografie. Irgendwie fühlt es sich aber komisch an, dass ich jedes Bild so bewusst komponieren muss und nicht einfach hundertmal abdrücken kann. Manchmal denke ich, dass ich durch diese Langsamkeit vielleicht sogar mehr sehe. Andererseits frage ich mich, ob das nicht einfach nur eine romantische Vorstellung ist, die ich mir einrede.
Analoge Fotografie fühlt sich an wie ein langsamer Atemzug vor dem Auslöser. Jedes Bild scheint erst vorhanden zu sein nachdem du es gesehen hast und nicht erst im Nachhinein wenn der Film schon neu geritzt ist. Die Langsamkeit könnte tatsächlich das Sehen schärfen vielleicht auch eine Erinnerung daran dass du mehr wahrnimmst wenn du weniger nacheilst.
Vielleicht ist es kein romantischer Irrtum sondern Training des Sehens. In der analogen Fotografie lernt man Details zu lesen statt zu schießen und die Technik wirft Fragen auf die man zuvor nie gestellt hat.
Vielleicht verwechselst du Ruhe mit Verstehen, was wenn das langsame Abdrücken nur deine Geduld testet und nicht deine Wahrnehmung erhöht?
Vielleicht sollten wir den Blickwinkel wechseln. Es geht weniger ums Ergebnis als um das Verhältnis zur Zeit das dir die Kamera in die Hände legt und die analoge Fotografie wird zur Skizze deiner Geduld.
Offen bleibt ob weniger mehr sagt oder ob das nur eine Mode bleibt und die Praxis weitergeht.