Ich stehe seit Wochen jeden Morgen vor dem gleichen Problem. Meine übliche Straßenbahn ist so überfüllt, dass ich mich einfach unwohl fühle, besonders jetzt. Ich habe angefangen, die zehn Minuten zum nächsten Viertel zu laufen, um von einer anderen Linie einzusteigen, nur um einen Sitzplatz zu bekommen. Das frisst natürlich Zeit. Irgendwie frage ich mich, ob dieser kleine Umweg am Morgen den zusätzlichen Komfort und das Gefühl von Sicherheit wirklich wert ist, oder ob ich einfach wieder in die volle Bahn einstegen sollte.
Ich verstehe das morgens. Wenn der Wagen so voll ist fühlt man sich eingezwängt der Puls rutscht hoch und der Tag beginnt schon mit Druck. Der Umweg am Morgen klingt verlockend doch zehn Minuten mehr auf dem Weg können sich auch wie eine kleine Rettung anfühlen.
Zehn Minuten mehr gehen doch der Sitzkomfort und Ruhe scheinen einen Wert zu haben. Aber das Verhalten hängt davon ab wie oft man umsteigt und wie viel Zeit man tatsächlich gewinnt. Es ist interessant wie die Wahrnehmung von Sicherheit sich summiert.
Skeptisch, ehrlich gesagt ist Sicherheit in der Bahn oft nur ein Gefühl kein fester Zustand. Vielleicht ist der Gedanke an Schutz eine soziale Kulisse die uns beruhigt. Wirkliche Sicherheit findet man selten in der Menge.
Vielleicht muss man den Blick wechseln. Es geht nicht nur um Zeit oder Sitz sondern darum wie man morgens in den Tag startet. Der Umweg könnte eine Art Ritual sein das Stress abbaut selbst wenn er mehr kostet. Oder vielleicht doch nicht.
Ich bleibe bei der vollen Bahn auch wenn mir das Gedränge zu schaffen macht. Die Gewohnheit keinen Umweg zu gehen spart mentale Energie für die Arbeit. Ist der Gedanke an Sicherheit wirklich real oder nur ein Gefühl?
Ein anderer Blick. Vielleicht sollte man das Thema neu rahmen. Nicht einfach die Bahn wählen müssen. Vielleicht ist es weniger ein Umweg als ein Gespräch mit sich selbst darüber welche Werte man morgens priorisiert.